Runway zeigt mit Solaris ein KI-System, das Software-Oberflächen in Echtzeit generiert


Das KI-Unternehmen Runway hat Solaris vorgestellt, das erste Modell einer neuen Kategorie, die es “Interface World Models” nennt. Statt Code auszuführen, erzeugt das System die Benutzeroberfläche Frame für Frame, während man sie bedient.

Statt Design erst in Code zu übersetzen, rendert das Modell die Oberfläche selbst in 720p und reagiert auf Klicks, Ziehbewegungen oder Sprachbefehle. Damit unterscheidet sich der Ansatz grundlegend von klassischer Software: Bisher legt das Betriebssystem fest, was auf dem Bildschirm passiert, und eine App bleibt so lange gleich, bis jemand ein Update ausliefert.

Runway nennt mehrere Einsatzmöglichkeiten. Beim Online-Shopping soll der Laden selbst zur Oberfläche werden: Nutzer ziehen ein Hemd auf ein Bild von sich, um es anzuprobieren. Ein Shop wäre dann kein festes Layout mehr, sondern würde sich an jeden Nutzer anpassen.

Bei der Produktvisualisierung kann man sagen “Verschiebe den Tisch” oder “Ändere die Farbe der Couch”, und die Szene reagiert direkt. Das ist etwa für Möbel- und Innenraumplanung gedacht.

Auch für Anleitungen und Lernen sieht Runway einen Nutzen. Statt einer Textantwort wie bei einem Chatbot zeigt Solaris den nächsten Schritt visuell im eigenen Kontext, zum Beispiel als Verbrennungs-Demonstration mit verschiedenen Materialien.

Die “App” als feste Einheit soll verschwinden

Technisch baut Solaris auf Runways Videomodell Gen-4.5 auf und folgt dem mit GWM-1 begonnenen Weg. Ein Sprachmodell entscheidet, wie sich die Oberfläche verändert, das World Model rendert die einzelnen Frames. Runway sieht darin auch eine Trainingsumgebung für KI-Agenten, die an Aufgaben wie Hotelbuchungen bisher scheitern, weil sie auf feste Layouts trainiert sind und mit abweichenden Websites nicht zurechtkommen.

Runways größere These lautet, dass die “App” als feste Einheit verschwindet. Heute heißt etwas erledigen, die passende vorgebaute App zu öffnen, eine zum Einkaufen, eine für Nachrichten, eine für Reservierungen. Kann ein Betriebssystem passende Oberflächen selbst generieren, gebe es weniger Grund, Software in einen festen Katalog aus Apps zu sortieren.

Auch ein Onlineshop wäre dann kein fixes Layout mehr, das jeder gleich sieht, sondern eine generierte Umgebung, die sich an den einzelnen Nutzer anpasst. Ob Nutzer solche ständig wechselnden Oberflächen tatsächlich wollen, lässt Runway offen.

Bisher ist das aber Zukunftsmusik, noch bleibt laut Runway stabiler, lesbarer Text ein schwer lösbares Problem, obwohl Oberflächen stark davon abhängen. Auch lange Sitzungen und die Verlässlichkeit sind offen: Ein falsches, aber überzeugend wirkendes Ergebnis kann schlimmer sein als gar keins. Zudem muss eine erzeugte Oberfläche mit Hilfstechnik wie Screenreadern zusammenarbeiten.

Solaris ist so bislang ein Forschungsansatz. Runway sucht Partner für einen Start und bietet einen Frühzugang über ein Formular an.

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