Anthropic stellt mit Claude Fable 5.1 und Mythos 5.1 seine bisher leistungsfähigsten KI-Modelle vor. Neben Verbesserungen beim agentischen Programmieren und in der Textqualität senkt das Unternehmen die Kosten um bis zu 45 Prozent.
Wie die beiden Vorgänger Fable 5 und Mythos 5 basieren beide 5.1-Modelle auf demselben Modell, unterscheiden sich aber in ihren Sicherheitsvorkehrungen: Fable 5.1 ist allgemein verfügbar, während Mythos 5.1 nur über spezielle Zugangsprogramme für Cybersicherheit und Biowissenschaften zugänglich ist.
Es sind auch die ersten beiden Claude-Modelle, die ab Werk mit Wasserzeichen ausgestattet sind. Parallel dazu launcht Anthropic eine Erkennungs-API in privater Vorschau, über die berechtigte Organisationen wie Regulierungsbehörden, Medien, Faktenchecker und Forschungseinrichtungen prüfen können, ob ein Text das Wasserzeichen enthält. Anthropic plant, den Zugang schrittweise auszuweiten. Interessenten können sich hier vormerken lassen.
Laut Anthropic kostet Fable 5.1 für typische Arbeitslasten rund 25 Prozent weniger als Fable 5. Bei stark agentischen Aufgaben, also langem, autonomem Arbeiten mit vielen Werkzeugaufrufen, sollen die Einsparungen sogar bei etwa 45 Prozent liegen. Möglich ist das durch eine Preissenkung der Cache-Reads, bei denen das Modell bereits verarbeitete Eingaben wiederverwendet, um 75 Prozent auf 0,25 US-Dollar pro Million Token. Der hohe Preis war der größte Kritikpunkt an Fable 5, der wohl auch dazu beigetragen hat, dass das Modell relativ wenig genutzt wurde.
Die übrigen API-Preise bleiben wie bei Fable 5 und Mythos 5 bei 10 US-Dollar pro Million Eingabe-Token und 50 US-Dollar pro Million Ausgabe-Token. Zum Vergleich: Opus 5, das ungefähr auf Fable-5-Niveau liegt, kostet mit 5 US-Dollar Eingabe und 25 US-Dollar Ausgabe pro Million Token nur die Hälfte, jedenfalls bezogen auf den reinen Tokenpreis. Beim Abarbeiten von Aufgaben zählt auch immer der Tokenverbrauch.
Wie auch frühere Claude-Modelle kommen die neuen Versionen mit einem Effort-Level-System, das die Rechenintensität steuert: Bei niedrigem oder mittlerem Aufwand soll Fable 5.1 Ergebnisse auf dem Niveau von Fable 5 liefern, aber zu geringeren Kosten.
Sprünge in Benchmarks für Coding und Forschung
Bei agentischen Benchmarks schneidet Fable 5.1 teils deutlich besser ab als der Vorgänger. Beim agentischen Wissenschaftsbenchmark Terminal-Bench-Science 0.1 erreicht das Modell 52,6 Prozent, mehr als doppelt so viel wie Fable 5 mit 24,7 Prozent und weit vor GPT-5.6 Sol mit 22,4 Prozent.
Beim agentischen Coding-Benchmark Terminal-Bench 4.0 kommt Fable 5.1 auf 55,8 Prozent (Mythos 5.1 auf 60,9 Prozent), verglichen mit 42,0 Prozent für Fable 5 und 37,3 Prozent für GPT-5.6 Sol. Ob sich diese Fortschritte auch in diesem Ausmaß in der Praxis bewähren, werden die kommenden Wochen zeigen.
| Fable 5.1 | Fable 5 | Opus 5 | GPT-5.6 Sol | |
|---|---|---|---|---|
| Agentic scientific research Terminal-Bench-Science 0.1 | 52.6% | 24.7% | 29.0% | 22.4% |
| Agentic coding Terminal-Bench 4.0 | 55.8% / 60.9% (Mythos 5.1) | 42.0% | 52.3% | 37.3% |
| Knowledge work GDPval-AA v2 | 1853 | 1723 | 1824 | 1711 |
| Computer use OSWorld 2.0 (partial) | 77.9% | 72.9% | 75.4% | — |
| Computer use OSWorld 2.0 (strict) | 41.7% | 36.1% | 39.6% | — |
| Multidisciplinary reasoning Humanity’s Last Exam (no tools) | 60.9% | 57.8% | 56.6% | — |
| Multidisciplinary reasoning Humanity’s Last Exam (with tools) | 65.0% | 63.8% | 63.6% | — |
| Business workflows AutomationBench | 31.4% | 17.1% | 26.9% | 19.6% |
| Agentic coding CursorBench 3.2.0 | 73.4% | 70.5% | 70.0% | 67.2% |
Laut Anthropic-Forscher Felix Rieseberg soll Fable 5.1 auch stilistisch einen Schritt nach vorn machen: Wo frühere Modelle im Chat zu häufig auf Aufzählungen und Fettschrift zurückgriffen, setze Fable 5.1 Fettdruck seltener ein und greife weniger zu Überschriften, Listen oder Anführungszeichen. Auch Stilanweisungen in Prompts soll das Modell besser befolgen und insgesamt natürlicher klingen. Rieseberg räumt ein, dass es hier noch Verbesserungsbedarf gebe.

Fable 5.1 darf für Cybersecurity genutzt werden
Die Sicherheitsfilter sollen bei Cybersecurity, Biologie und medizinischen Fragen nicht mehr so stark anschlagen wie bei den Vorgängern. Sie sollen verhindern, dass Nutzer das KI-Modell für bösartige Aufgaben missbrauchen. Bei den 5er‑Modellen waren sie aber so sensibel, dass sie auch bei Anfragen mit guter Intention Alarm auslösten, also Fehlalarme produzierten.
Die Cybersicherheits-Filter lösen laut Anthropic bei 5.1 jetzt 60 Prozent weniger Fehlalarme aus als beim Vorgänger. Bei biologischen Anfragen sollen die Sicherheitsfilter 85 Prozent seltener bei harmlosen Fragen zu elementarer Biologie und Medizin anschlagen.
Fable 5.1 darf zudem nun erstmals zur Identifikation von Software-Schwachstellen eingesetzt werden, nicht aber zur Entwicklung von Exploits. Penetrationstests und Exploit-Generierung werden weiterhin auf die Opus-Modelle umgeleitet. Mythos ist auch in Claude Security für die Verteidigung enthalten.
Verfügbarkeit und Zugang zu Mythos 5.1
Claude Fable 5.1 ist sofort auf allen Plattformen verfügbar, darunter Amazon Web Services, Google Cloud und Microsoft Azure. Entwickler können über die API mit der Bezeichnung claude-fable-5-1 darauf zugreifen. Für Unternehmenskunden führt Anthropic die sogenannten Enterprise Frontier Safeguards (EFS) ein. Dabei werden Kundendaten ausschließlich auf der Cloud-Infrastruktur des Kunden gespeichert, nicht bei Anthropic.
Claude Mythos 5.1 ist derzeit nur für US-Organisationen über zwei Programme zugänglich: das Cyber Verification Program für defensive Sicherheitsarbeit und das Life Sciences Verification Program, das in Partnerschaft mit der US-Regierung entwickelt wurde. Anthropic plant, den Zugang auf internationale Partner auszuweiten.
Anthropic geht mit Fable 5.1 auch gegen sogenannte Destillationsangriffe vor, bei denen die Fähigkeiten eines Modells systematisch extrahiert werden, oft über Tausende gefälschte Konten. Neue API-Konten können ab sofort Claudes vorherigen Kontext in Mehrrundengesprächen nicht mehr manuell bearbeiten und dabei das Transkript von Claudes Denkprozess beibehalten. Das schließt laut Anthropic eine dokumentierte Destillationstechnik aus.
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