Automatisierte Projektierung statt stundenlanger Handarbeit: Hekatron präsentierte auf der Feuertrutz 2026 neue KI-Tools für die Planung von Brandmeldeanlagen. Im Interview erläutert Matthias Schmölders, Leiter Digital Business Solutions, welches Potenzial die neuen KI-Lösungen für die Brandschutzbranche haben.
Es geht um die Automatisierung wiederkehrender Aufgaben und die Beschleunigung der Anlagenplanung mit neuen Tools für das Hekatron-System »H+«, das unter anderem bereits einen Fernzugriff auf Brandmeldeanlagen und automatisierte Störungsmeldungen ermöglicht.
»de«: Herr Schmölders, bitte erläutern Sie uns kurz die neuesten Entwicklungen von Hekatron im Bereich Digitalisierung und Künstliche Intelligenz.
Matthias Schmölders: Beim Thema Digitalisierung, der Automatisierung von Prozessen und der digitalen Dokumentation ist Hekatron schon seit über zwölf Jahren aktiv, und wir investieren hier auch zunehmend. Neu ist jetzt, dass wir uns seit einem knappen Jahr auch intensiv mit dem Thema Künstliche Intelligenz beschäftigen. Und da haben wir zwei konkrete Lösungen entwickelt: »H+ Assist« und »H+ Plan«.
»H+ Assist« dient als Wissens- und Support-Assistent. Er unterstützt alle Anwender unserer Hekatron-Technik dabei, technische Fragestellungen ganz präzise beantwortet zu bekommen. Auf eine individuelle Frage geben trainierte Modelle, die im Hintergrund auf unsere technischen Dokumentationen zugreifen, eine sehr konkrete Antwort. Diese ist kurz und knapp, liefert aber bei Bedarf Details und – das ist ganz wichtig – die Nachvollziehbarkeit, aus welchen Quellen und aus welchen Dokumenten die Informationen stammen.
Das unterscheidet unsere Lösung »H+ Assist« dann auch von ChatGPT mit seinen stets gefälligen Antworten: Wir stellen Rückfragen, sobald wir merken, dass die Anfrage z. B. zu allgemein gehalten ist, um zu einem präzisen Ergebnis zu führen. Solche Rückfragen sichern die Nachvollziehbarkeit, dass die gelieferten Antworten aus den richtigen Produktinformationen und technischen Dokumenten erfolgen.
Bild 2: Matthias Schmölders, Leiter Digital Business Solutions bei Hekatron, stellte auf der Feuertrutz 2026 die Demoversionen der neuen KI-Funktionen für »H+« vor
(Bild: Redaktion »de« / Kalscheuer)
»de«: Und was ist der Kern der zweiten neuen Lösung?
M. Schmölders: Die zweite Lösung ist »H+ Plan«, die sich speziell an Planer und Errichter richtet, die Brandmeldeanlagen projektieren. Dort wird zwar heute schon oft digital gearbeitet, aber eben noch händisch. Jetzt bieten wir mit »H+ Plan« die Möglichkeit, dass man einen Gebäudeplan hochlädt, dieser segmentiert wird, und die Brandmelder auf der Basis von Normen und Richtlinien automatisch eingeplant werden. Während die Projektierung vorher Stunden dauerte, ist sie nun in wenigen Minuten erledigt – das ist eine gewaltige Zeitersparnis.
Dennoch kann man jederzeit eingreifen, falls man sieht, dass die Planung vielleicht an einer Stelle nicht sauber genug erfolgte, oder wenn man von dem ausgegebenen Vorschlag abweichen möchte. Denn die Künstliche Intelligenz ersetzt niemals das eigene Mitdenken. Jeder neue Schritt zur Digitalisierung ist spannend. Aber es braucht dennoch weiterhin den Techniker, den Projektleiter oder den Planer mit Sachverstand, um die computergestützte Welt mit der Realität in Einklang zu bringen.
Die zwei neuen Bausteine »H+ Assist« und »H+ Plan«, die beide KI-gestützt sind, ergänzen jetzt unser Digitalportfolio. Und wir bekommen darauf tolle Reaktionen von den Anwendern – vom Techniker bis zum Geschäftsführer – die dann auch direkt in die Weiterentwicklung einfließen. Und das ist das A und O dabei: das kontinuierliche Dranbleiben.
»de«: Warum wurde die KI erst jetzt integriert, weil man es kann oder muss?
M. Schmölders: Die Themen, die wir jetzt bespielen, hätten wir gerne bereits früher abgedeckt. Technisch ist vieles möglich, es kostet aber auch immer Geld. Nun haben wir die Möglichkeit, Anwendungen leichtgewichtiger auszuprobieren und dann zu schauen, ob man einen sinnvollen Fortschritt daraus gewinnen kann. Künstliche Intelligenz ist zwar der Trend, von dem heute alle reden, aber unsere Kunden und Kollegen sind so kritisch, dass sie sich nicht von bloßem Hype blenden lassen. Was wir entwickeln, muss Substanz haben und Mehrwert bringen.
»de«: Kritiker sehen in der KI oft eine Blackbox, die auf mysteriöse Weise zu ihren Ergebnissen kommt. Wie können sie die Resultate Ihrer Lösung sicher dokumentieren?
M. Schmölders: Wir zeigen wirklich nachvollziehbar alle Quellen auf. Man kann das Dokument, das als Quelle angegeben ist, anklicken und es öffnen. In der Entwicklungsphase wird ein solches Tool erst einmal nur intern getestet, so dass wir erkennen, welche Rückfragen nötig sind, um z. B. die genaue Installationssituation zu definieren. Denn fällt eine Antwort zu schwammig aus, hilft sie niemandem. Dann gibt es das Feedback von unseren internen Testern, die schlechte oder unsaubere Antworten bemängeln. Anschließend wird sofort ermittelt, woran es liegt: am Dokument, an den Inhalten, an der Antwortform oder an einem Missverständnis? Und da wird nachgeschärft.
Doch hundertprozentige Sicherheit wird es mit einer KI nie geben. Die Anwender müssen immer noch selbst die Augen aufhalten, und die Verantwortung übernehmen. Letztendlich ist dies dennoch die bessere Alternative zum händischen Durchwühlen von Tausenden von Dokumenten – bei dem natürlich ebenfalls Fehler passieren können.
»de«: Das heißt, es geht darum, bei der Planung Zeit zu sparen und schneller zu Ergebnissen zu kommen?
M. Schmölders: Genau, es geht in erster Linie um Geschwindigkeit und Verfügbarkeit. Diese technischen Antworten würden Sie natürlich auch von unserer Hotline erhalten, allerdings nur zwischen 8 Uhr und 17 Uhr. Deswegen ist die Verfügbarkeit so wichtig: Selbst, wenn ich Sonntagnacht einen Ausfall erkenne, bekomme ich sofort Unterstützung.

(Bild: Hekatron)
Unsere Kunden erstellen jährlich Tausende Pläne und Projektierungen. Mit dem Planungstool ändert sich das nicht, aber es beschleunigt den Prozess deutlich. Dadurch kann man den Fokus auf wichtigere Details richten. Der Anwender wird von den einfachen, sich wiederholenden Tätigkeiten entlastet. Er hat dadurch Zeit, tiefer in die Qualität der Planung einzusteigen und nochmal fünf Minuten mehr darüber nachzudenken, was auf lange Sicht die geschicktere Entscheidung für die gesamte Gebäudebetriebsphase ist.
»de«: Wie steigt ein Nutzer in die KI-unterstützte Brandmeldeanlagen-Planung ein?
M. Schmölders: Einfach mal für ein paar Monate ausprobieren und Erfahrungen sammeln! Das kostet im ersten Schritt auch nichts. Ich würde jedem, der Brandmeldeanlagen plant, empfehlen, seinen Gebäudeplan einzugeben und zu erleben, was die Software automatisch erkennt und plant. Aber auch Kollegen, die eine andere Rolle im Unternehmen haben, die z. B. technische Fragestellungen lösen müssen, sollten es mal ausprobieren. Das Programm ist bewusst niederschwellig konzipiert: Frage rein, Antwort raus. Und man kann sofort bewerten, ob es für die eigenen Belange geeignet ist.
»de«: Sie sagen gerade, im ersten Schritt sei es kostenfrei, was folgt dann im zweiten Schritt?
M. Schmölders: Die allermeisten digitalen Lösungen sind kostenpflichtig, weil man in die Weiterentwicklung viel Geld investieren muss. Das hat auch Sicherheitsgründe, denn alles, was man nicht mehr weiterentwickelt, verbessert und an die gestiegenen Anforderungen anpasst, wird irgendwann zum Sicherheitsproblem.
Deswegen haben wir ein Modell entwickelt, das sehr niedrig gehalten ist, weil wir das über viele Kunden verteilen. Solche userbasierten Nutzungsmodelle kennen wir von Netflix oder Spotify. Bei uns fängt das für H+-Anwendungen bei Null Euro an und geht bis 49,90 Euro im Monat, je nach Funktionsumfang und Mehrwert. In dieses User-Modell möchten wir aber niemanden reinzwingen, daher kann man die Software drei Monate lang ausprobieren, und dann monatlich kündigen oder die Nutzung fortsetzen.
Dabei lassen sich die Kosten – auch, wenn man später mehr Funktionalität in Anspruch nehmen möchte – jederzeit transparent planen und kalkulieren. Das sind keine Kosten, die irgendwann aufgrund einer intensiveren Nutzung des Programms plötzlich durch die Decke gehen. Also es ist nicht wie früher bei der Telefonrechnung: Da habe ich mal ins Ausland telefoniert, hoppla, jetzt wird es teuer! Wir bleiben flexibel kündbar und sehr übersichtlich. Es gibt bei uns zudem weiterhin kostenlose Bereiche mit Basisinformationen und Dokumentationen.
»de«: Gibt es aktuell überhaupt Vorgaben, Normen und Zertifizierung für Künstliche Intelligenz im Brandschutz?
M. Schmölders: Die digitalisierte Welt, die auch Cybersecurity und Künstliche Intelligenz umfasst, muss meiner Meinung nach nicht noch einmal explizit auf den Brandschutz-Kontext heruntergebrochen werden. Sie hat grundsätzliche Rahmenbedingungen, die für alle Branchen gelten und eingehalten werden müssen. Cybersecurity bei einer Cloud-Anwendung muss auf einem gewissen Standard sein, vollkommen branchenunabhängig.
Und dann gibt es zusätzlich die deutsche Normen- und Richtlinienlandschaft. Wenn es wirklich ums Lebensbeschützen geht, gibt es so viele Kontrollen und Zulassungsprozesse, dass wir da keine Bedenken haben müssen.
»de«: Wohin führen uns diese ganzen Fortschritte langfristig?
M. Schmölders: Ich glaube, die Entwicklung wird in Richtung digitale Organisation gehen. Wir sehen, dass in anderen digitalen Branchen, die vom Fachkräftemangel betroffen sind, immer öfter virtuelle Kollegen entwickelt werden. Dabei geht es nicht darum, Personal abzubauen, sondern dass man in Zeiten der Arbeitsverdichtung mehr Projekte mit dem gleichen Team stemmen kann. Ich kann keine Menschen einstellen, die der Arbeitsmarkt nicht vorhält. Also übernehmen digitale Agenten gewisse wiederkehrende Tätigkeiten.
Ich kann mir durchaus vorstellen, dass wir in drei Jahren in einer digitalen Organisation jedem Mitarbeiter und jeder Mitarbeiterin eine künstliche Unterstützung an die Seite stellen können. Diese kann persönliche Aufgaben übernehmen, Projekte vorbereiten, Informationen beschaffen und an Termine erinnern. Das wäre eine ganz neue, spannende Perspektive für unsere Arbeitswelt.







