Der Einsatz generativer Künstlicher Intelligenz gilt in der Startup-Szene als verlässlicher Gleichmacher, der auch rhetorisch weniger trainierten Menschen zu professionellen Auftritten verhilft. Die Forscher Karl Taeuscher von der britischen University of Manchester und Michael Lounsbury von der kanadischen University of Alberta widersprechen dieser verbreiteten These nun deutlich.
Wie in einer im Fachjournal Entrepreneurship Theory and Practice veröffentlichten Forschungsarbeit zu lesen ist, führt die breite Anwendung von Textgeneratoren zu einer spürbaren Homogenisierung in der Geschäftskommunikation. Anstatt das Spielfeld zu ebnen, erschwert die Technologie paradoxerweise die Aufgabe für Unternehmen, sich mit ihrer eigenen Geschichte von der Konkurrenz abzuheben.
Das Paradoxon der perfekten KI-Texte
Das zugrunde liegende Problem resultiert aus der technischen Architektur großer Sprachmodelle, die als linguistische Nachahmungsmaschinen fungieren. Sie richten ihren Output konsequent auf statistische Durchschnittswerte sowie etablierte Muster aus und produzieren dadurch sprachlich weitgehend standardisierte Ergebnisse, obwohl sie beim Erstellen fundierter Texte helfen können.
Um diesen Effekt zu veranschaulichen, generierten die Forscher algorithmisch überarbeitete Versionen von mehr als 26.000 realen Crowdfunding-Kampagnen der US-Plattform Kickstarter. Der direkte Vergleich offenbarte, dass die maschinell erstellten Texte eine um 43 Prozent geringere Varianz bei der Abstraktheit der Sprache aufwiesen und sich bei der Textlänge sowie der Fehlerfreiheit um rund 80 Prozent ähnlicher waren als die von Menschen verfassten Originale.
Verringerte Vielfalt in der Breite
Diese Beobachtung deckt sich mit den Ergebnissen einer im Wissenschaftsmagazin Science Advances publizierten Studie der Forscher A. R. Doshi und O. P. Hauser. Die beiden Wissenschaftler konnten experimentell nachweisen, dass der KI-Einsatz zwar die individuelle Qualität von Texten steigert, gleichzeitig aber die kollektive Vielfalt der generierten Inhalte deutlich verringert.
Eine weitere Untersuchung aus dem Jahr 2025 zur Homogenisierung in der wirtschaftswissenschaftlichen Ausbildung belegt zudem, dass selbst Businesspläne von Student:innen unter einem starken inhaltlichen Zusammenrücken der Themen leiden. Die wiederkehrende Konfrontation mit diesen gleichförmigen Narrativen verändert auf lange Sicht die institutionellen Normen, wodurch der verfügbare Raum für eine optimale Differenzierung schrumpft.
Harte Beweise ersetzen austauschbare Versprechen
Da formell fehlerfreie und flüssige Formulierungen durch die Nutzung von Sprachmodellen heute nahezu kostenlos verfügbar sind, steigt automatisch die grundlegende Erwartungshaltung der Investor:innen. Was in der Vergangenheit noch als qualitativ hochwertiges Storytelling positiv auffiel, entwickelt sich zunehmend zu einem reinen Mindeststandard ohne eigenen Differenzierungswert.
Die Autoren der Studie warnen davor, dass rein textliche Behauptungen über Innovationskraft oder gesellschaftlichen Mehrwert künftig schnell als substanzloses Gerede abgewertet werden könnten. In der Folge wächst der Druck auf Gründer:innen, ihre angepriesenen Geschäftsmodelle mit validen Nachweisen zu untermauern.
Um in einem von KI-Texten übersättigten Markt glaubwürdig zu bleiben, benötigen Startups handfeste Beweise wie erteilte Patente, funktionierende Prototypen oder offizielle Zertifizierungen. Anstatt menschliche Fähigkeiten obsolet zu machen, steigert die Integration Künstlicher Intelligenz ironischerweise die Nachfrage nach kultureller Kompetenz.
Erfolgreiche Unternehmer:innen müssen ein präzises Gespür dafür entwickeln, wann sie ganz bewusst von den Vorhersagen der Algorithmen abweichen müssen, um weiterhin authentisch wahrgenommen zu werden. Reines Vertrauen auf standardisierte Prompts wird künftig nicht mehr ausreichen, um Kapitalgeber:innen oder erste zahlende Kund:innen von einer Vision zu überzeugen.




