Ein EEG für zu Hause? Das Muse S Athena analysiert den Schlaf, hilft beim Einschlafen und bietet Neurofeedback für mehr Entspannung und bessere Konzentration.
Smartwatches (Bestenliste) und Smarte Ringe (Bestenliste) liefern inzwischen zwar viele Daten zum Schlaf, Schlafphasen leiten sie aber meist nur indirekt aus Puls, Bewegung und weiteren Sensorwerten ab. Das Muse S Athena will mehr: Das Stirnband für zu Hause misst die Hirnaktivität per EEG und ergänzt sie um fNIRS-Sensorik. Damit soll es nicht nur den Schlaf detaillierter analysieren, sondern auch beim Einschlafen helfen und per Neurofeedback Entspannung sowie Konzentration trainieren.
Ob das in der Praxis überzeugt, klären wir im Test. Das Stirnband wurde uns vom Hersteller kostenlos als Leihgerät für den Test zur Verfügung gestellt.
Design & Tragekomfort
Das Muse S Athena besteht aus einem Band aus angenehm weichem Stoff. Auf der Innenseite befinden sich die Sensoren, die Kontakt zur Haut aufnehmen. Die sogenannte Head-Unit – das eigentliche Herzstück des Geräts – ist abnehmbar, was vor allem beim Laden praktisch ist.
Das Band wird über die Stirn gelegt, dabei jedoch leicht nach oben versetzt. Die hinteren Teile des Bandes sollten möglichst nah an den Ohren anliegen und am unteren Hinterkopf verlaufen, damit ein elektrischer Kreis geschlossen werden kann. Wer Probleme mit dem Signal hat, dem empfiehlt der Hersteller, Stirn und den Bereich hinter den Ohren leicht zu befeuchten, um die Leitfähigkeit zu verbessern.
Das Band passt für einen Kopfumfang von 46 bis 63 cm – das dürfte für die meisten Erwachsenen problemlos passen. Befestigt wird es mit einem magnetischen Clip. Nach dem Anlegen empfiehlt es sich, das Band noch etwas zu drehen und zu justieren, bis es gut sitzt.
Im Test erkannte das Gerät das Signal größtenteils auf Anhieb. Im Schlaf hielt das Band zuverlässig und verrutschte nicht. Wer sich jedoch viel bewegt, auf dem Bauch oder auf der Seite schläft, riskiert, dass das Band verrutscht und das EEG-Signal verloren geht. Insgesamt waren wir positiv überrascht, wie gut das Band sitzt und wie angenehm es sich trägt – ohne zu drücken oder zu stören. Erfreulich: Die Leuchte an der Head-Unit schaltet sich im Schlafmodus automatisch aus.
Muse S Athena: Bilder aus dem Test
App & Einrichtung
Zur Nutzung des Muse S ist die gleichnamige App erforderlich. Sie stellt die Verbindung zum Gerät her und erklärt Funktionen und Features detailliert – allerdings weitgehend auf Englisch. Einzelne Abschnitte wie die Menüs sind teilweise auf Deutsch, der Großteil jedoch nicht. Erklärvideos sind durchgehend auf Englisch.
Die App gliedert sich in fünf Bereiche: Unter Heute finden sich der persönliche Trainingsplan, der KI-Coach Enso sowie grundlegende Erklärungen. Der Reiter Trainieren bietet das gezielte Neurofeedback mit Konzentrations- und Meditationsübungen, während sich im Bereich Schlaf alles um die Nachtruhe dreht. Das Menü Gesundheit liefert Aussagen zur kognitiven Leistung – was allerdings voraussetzt, dass man bereits einige Trainingseinheiten und Schlafanalysen absolviert hat. Unter Ich finden sich schließlich die Einstellungen. Insgesamt wirkt die Darstellung der Grafiken in der App recht kleinteilig und unübersichtlich; ein Export der Schlafdaten ist derzeit leider nicht möglich.
Ein Abonnement ist nicht vorgeschrieben. Die grundlegenden Hardware-Messungen, Echtzeit-Neurofeedback, Schlafanalyse, Einschlafhilfen, die Förderung der Tiefschlafphasen sowie Meditationsübungen sind kostenlos enthalten. Das kostenpflichtige Premium-Abo bietet darüber hinaus zusätzliche Analysen, die smarte Weckfunktion, Dream Recall und über 500 geführte Meditationen, einen KI-Coach, die Einbindung externer Audio-Dienste wie Spotify oder Youtube sowie langfristige Trendanalysen zur Regeneration.
Schlaf-Tracking
Eine der Kernfunktionen des Muse S Athena ist die Schlafüberwachung. Das Stirnband misst die Hirnaktivität per EEG (Elektroenzephalografie) und leitet daraus Schlafstadien wie Leicht-, Tief- und REM-Schlaf ab. Ergänzend kommt fNIRS (funktionelle Nahinfrarotspektroskopie) zum Einsatz: Das Verfahren erfasst Veränderungen von Blutfluss und Sauerstoffnutzung im Gehirn und soll solch ein umfassenderes Bild der Schlafphysiologie liefern.
PPG-Sensoren überwachen ferner die Herzfrequenz und Herzratenvariabilität (HRV), ein Beschleunigungssensor und Gyroskop erkennen Bewegungen im Bett. Die Atemfrequenz wird rechnerisch aus den Herz- und Bewegungssignalen abgeleitet. Die App erklärt alle Funktionen ausführlich – auf Englisch, mit kurzen Videos und Texten.
Vor dem Schlaf-Tracking muss das Muse S vollständig aufgeladen sein. Die Schlafanalyse ist sehr energieintensiv: Die im Test gemessene Akkulaufzeit von höchstens 9 Stunden reicht gerade so für eine Nacht. Für Langschläfer könnte das knapp werden.
Einschlafhilfen
Optional bietet die App zuschaltbare Einschlafhilfen an: Auf Wunsch lassen sich Naturgeräusche wie Regen abspielen oder eine Geschichte vorlesen – je aktiver das Gehirn, desto stärker der Regen. Dafür muss entweder der Lautsprecher des Smartphones genutzt oder ein Kopfhörer angeschlossen werden. Dafür bieten sich für mehr Komfort auch spezielle Schlafkopfhörer (Bestenliste) an.
Tiefschlaf gezielt fördern
Ebenfalls zuschaltbar ist der sogenannte Deep Sleep Boost. Das Gerät erkennt Delta-Wellen – die langsamsten elektrischen Gehirnwellen, die vor allem Tiefenentspannung, Regeneration und den traumlosen Tiefschlaf steuern. Die dahinterliegende Technologie nennt sich Closed-Loop Acoustic Stimulation und stammt aus der Schlaflaborforschung: Sobald das Stirnband eine Tiefschlafphase erkennt, spielt es über Kopfhörer oder Lautsprecher extrem leise, rhythmische Töne im Takt der Gehirnwellen ab – mit dem Ziel, die Tiefschlafzeit zu verlängern.
Smartes Wecken und an Träume erinnern
Als gebührenpflichtiges Premium-Feature weckt die Smart-Wakeup-Funktion den Träger zum optimalen Zeitpunkt: Man legt ein flexibles Zeitfenster mit einer spätesten Aufwachzeit fest. Innerhalb von rund 30 Minuten weckt das Gerät dann sanft mit Geräuschen, sobald man sich im Leichtschlaf befindet.
Wer sich besser an Träume erinnern möchte, aktiviert das Premium-Feature Dream Recall: Das System weckt während einer REM-Phase mit einem sanften Audiosignal. Geht das Aufwachen zu schnell, schaltet Muse S automatisch auf eine Snooze-Funktion um – so soll die Traumerinnerung leichter fallen.
App-Abstürze
In der Praxis gibt es jedoch einen deutlichen Wermutstropfen. Neben dem hohen Energiebedarf von Smartphone und Band ist ein geeigneter Kopfhörer nötig. Im Test brach die App nachts leider häufig ab – wodurch die gesamte Schlafanalyse nicht mehr verfügbar war, sobald wir Einschlafhilfen oder den Tiefschlaf-Boost aktiviert hatten. Zwar lag es am Smartphone, dass die App beendet wurde – auch wenn wir sie manuell von Akkusparmaßnahmen ausgeschlossen hatten. Schade bleibt dennoch, dass das Muse S für die Schlafanalyse nicht autark genutzt werden kann.
War die Schlafanalyse erfolgreich, zeigt die App am nächsten Morgen ein Chart mit Schlafdauer und den einzelnen Schlafphasen. Allerdings wirkt die Darstellung recht kleinteilig und wenig übersichtlich. Einen direkten Vergleich mit einem anderen EEG-Gerät hatten wir nicht – verglichen mit einem Oura Ring und dem smarten Schlafsystem Eight Sleep Pod 5 stimmten die erfassten Schlafdauern jedoch weitgehend überein. Da das Muse S auf EEG basiert, dürfte die Schlafphasenanalyse deutlich präziser sein als bei Ring oder Smartwatch, die Schlafphasen letztlich nur indirekt über Bewegung und Puls mit Algorithmen schätzen.
Erfahrungen zum Tiefschlaf-Boost sowie zum luziden Träumen konnten wir im Test bislang keine sammeln – wir werden das Gerät aber weiter nutzen und unsere Erfahrungen in einem Update teilen.
Neurofeedback für Meditationstraining
Das Echtzeit-Biofeedback ist das Herzstück des Muse S Athena: Das Stirnband misst Hirn- und Körpersignale und übersetzt sie in Echtzeit in verständliche Audiosignale. Die wissenschaftliche Methode des Neurofeedbacks – sonst vor allem bei Ergotherapeuten als therapeutisches Mittel eingesetzt – bringt das Muse S damit ins Wohn- und Schlafzimmer.
Die Mind Sessions messen per EEG die elektrischen Gehirnwellen. Ist die Gehirnaktivität noch zu hoch, ertönt ein Gewitter – beruhigt man sich, legt sich der Sturm, und als Belohnung ist Vogelgezwitscher zu hören.
Der optische Pulssensor (PPG) misst bei den Heart Sessions die Herzfrequenz und gibt sie im Rhythmus einer Trommel wieder. Je mehr man sich entspannt, desto langsamer und melodischer wird der Klang.
Bei den Body Sessions geht es darum, ruhig zu sitzen. Der Beschleunigungssensor erkennt Bewegungen und erzeugt das Geräusch von Windspielen – je ruhiger man sitzt, desto stiller wird es.
Herzfrequenz und Körperbewegung werden genutzt, um bei den Breath Sessions die Atemfrequenz zu erkennen. Dazu ist das Rauschen von Meereswellen zu hören. Bleibt man im vorgegebenen Atemrhythmus, synchronisiert sich der Sound – und es gibt Bonuspunkte.
Wie beim Krafttraining gilt auch hier: Regelmäßige Nutzung ist entscheidend. Anfangs fiel es uns schwer, beim Meditieren nicht ständig Regengeräusche zu hören – der Geräuschpegel regelt sich sehr abrupt hoch, was zu Beginn etwas frustrieren kann. Nach einigen Übungen merkten wir jedoch, dass es uns zunehmend besser gelang, ruhiger zu bleiben – und öfter das Vogelgezwitscher zu hören. Wir werden das Gerät weiter nutzen und unsere Erfahrungen im nächsten Update des Tests berücksichtigen.
Muse S Athena: App-Screenshots
Konzentrationstraining
Die Strength Sessions versteht Muse S als gezieltes Konzentrationstraining. Neben dem EEG kommt hier zusätzlich fNIRS (Nahinfrarotspektroskopie) zum Einsatz. Das Verfahren misst per Infrarotlicht Veränderungen der Blutoxygenierung im präfrontalen Kortex, also im Stirnhirn. Vereinfacht gesagt zeigt es, wie stark dieser Hirnbereich bei mentaler Anstrengung beansprucht wird. Ähnlich wie ein Muskel unter Belastung mehr sauerstoffreiches Blut benötigt, steigt auch im Stirnhirn bei intensiver Konzentration der Blutfluss. Diese Veränderungen nutzt das Muse S als Grundlage für das Training.
Auch hier setzt Muse S auf Gamification: In einem Spiel muss man eine Eule allein durch Gedankenkraft – also Konzentration – in die Höhe fliegen lassen. Je besser die Konzentration und die Durchblutung im Stirnhirn, desto höher und weiter fliegt der Vogel. Als Bonus lässt sich ein Boost aktivieren. Am Ende jeder Übung gibt es eine Auswertung mit der erreichten Flugstrecke und der Anzahl der eingesetzten Boosts.
Das alles soll die Konzentrationsfähigkeit langfristig steigern – und dazu beitragen, künftig weniger leicht abgelenkt zu werden. Im Test fiel uns die Übung anfangs besonders schwer: Zeitweise wussten wir schlicht nicht, wie wir den Vogel in die Luft bekommen sollten. Doch schon nach wenigen Sessions wurden wir spürbar besser – auch hier gilt: Übung macht den Meister.
Akku
Der Hersteller gibt eine Akkulaufzeit von rund 10 Stunden bei der Schlafanalyse an. Unserer Erfahrung nach war der Akku jedoch bereits nach rund 9 Stunden gefährlich nah am Limit. Wer das Gerät tagsüber häufig für Konzentrations- oder Meditationstraining nutzt, muss mit deutlich kürzerer Laufzeit von etwa 3 Stunden rechnen. Im Vergleich zu einem Fitness-Tracker am Handgelenk ist das relativ wenig – das Muse S muss also stets vor dem Schlafen vollständig aufgeladen sein. Auch das Smartphone sollte zu Beginn einer Schlafaufzeichnung mindestens zu drei Vierteln geladen sein.
Geladen wird per USB-C. Ein Ladegerät liegt nicht bei, nur ein USB-C-Kabel. Der Hersteller empfiehlt ein Netzteil mit USB-C und 5 V. Der vollständige Ladevorgang dauert je nach Netzteil rund 3 Stunden. Während das Stirnband lädt, blinken die LED-Leuchten in drei Segmenten – ist der Akku voll, leuchten alle drei LEDs durchgehend.
Preis
Günstig ist der Kopfband-Tracker nicht: Bei Amazon kostet das Muse S Athena derzeit 493 Euro. Hinzu kommen Abokosten für das Premium-Abonnement – wahlweise 14 Euro im Monat oder 50 Euro im Jahr.
Fazit
Das Muse S Athena ist ein ungewöhnliches und derzeit nahezu konkurrenzloses Wearable: ein EEG-Stirnband für zu Hause, das Schlafanalyse und Neurofeedback in einem Gerät zusammenführt. Im Test überzeugten vor allem die detaillierte, EEG-basierte Auswertung des Schlafs und die Audio-Übungen für Meditation, Entspannung und Konzentration, bei denen sich nach kurzer Eingewöhnung erste Fortschritte zeigten.
Dem stehen jedoch klare Schwächen gegenüber. Die Akkulaufzeit reicht nur knapp für eine Nacht, die App ist zwingend erforderlich und wurde auf unserem Android-Testgerät nachts teils beendet – ausgerechnet dann, wenn Einschlafhilfen oder der Tiefschlaf-Boost aktiv waren. Hinzu kommen eine teils unübersichtliche App, fehlender Datenexport und ein hoher Preis.
Schlussendlich ist das Muse S Athena ein spannendes Stück Hightech mit erkennbarem Potenzial, das in der Praxis aber noch nicht in allen Punkten ausgereift wirkt. Wir werden das Gerät weiter testen und den Artikel in einigen Wochen um zusätzliche Erfahrungen ergänzen.





