Machtkampf im Silicon Valley stoppt vorerst US-Verbote für Chinas KI-Modelle


Die Trump-Regierung erwog laut der New York Times Sanktionen und Handelssperren gegen chinesische Open-Weight-Modelle. Nach Protesten aus dem Silicon Valley ruderte sie vorerst zurück.

Nach Recherchen der New York Times debattierten Stabschefin Susie Wiles, Finanzminister Scott Bessent und Handelsminister Howard Lutnick in den vergangenen Wochen, ob die Regierung deutlich stärker in den Markt für “Open Weight”-KI eingreifen soll. Die Zeitung stützt sich auf mehr als ein halbes Dutzend aktuelle und frühere Regierungs- und Branchenvertreter.

Auf dem Tisch lagen laut fünf dieser Quellen Sanktionen, eine Handels-Blacklist gegen chinesische Anbieter offener Modelle und sogar ein Verbot für US-Cloud-Firmen, mit diesen Unternehmen Geschäfte zu machen. Diskutiert wurde außerdem, welche Modelle Bundesbehörden nutzen dürfen und eine Regulierung über das Handelsministerium. Nach dem Aufschrei aus dem Silicon Valley habe die Regierung nun ihre Haltung geändert und setze darauf, amerikanische Modelle wettbewerbsfähiger zu machen, so die NYT.

Auslöser war die Welle leistungsfähiger chinesischer Modelle, allen voran Kimi K3 von Moonshot AI, das in Teilbereichen mit den besten US-Modellen mithält. Michael Kratsios, Leiter des Büros für Wissenschafts- und Technologiepolitik im Weißen Haus, warf dem Hersteller auf X vor, Anthropics Modell Fable destilliert zu haben: Der Diebstahl von US-Technologie sei “inakzeptabel”. Bessent stellte am selben Tag Sanktionen in Aussicht.

Ein Branchenkampf mit sicherheitspolitischem Anstrich

OpenAI und Anthropic, die ihre Modelle nicht offenlegen, drängten laut dem Bericht unter Verweis auf nationale Sicherheit auf Beschränkungen für die chinesische Konkurrenz. Bei Nvidia, Microsoft, Google und Meta wuchs die Sorge, die KI-Unternehmen, die beide Börsengänge planen, könnten das Weiße Haus überzeugen und damit ihre Position als Marktführer festschreiben. Über private Nachrichten, Telefonate und Videokonferenzen bauten die Konzerne laut der NYT ein Gegenargument auf: Offene Modelle beschleunigten Innovation und Cyberabwehr.

Nvidia-Chef Jensen Huang wurde dabei zum Gesicht dieses Widerstands. Am 24. Juli verfasste er seinen ersten X-Post überhaupt, um offene Modelle zu verteidigen, parallel gründete Nvidia eine Allianz für offene Sicherheitswerkzeuge, die von wenigen Mitgliedern auf über 230 wuchs. Christopher Padilla, früher im Handelsministerium, nennt den Streit im NYT-Bericht einen “Käfigkampf über die Zukunft der KI-Industrie”: Es gehe primär um Geld und Marktmacht, die Sicherheitsdimension sei Beigabe. Branchenvertreter erwarten keine harten Schritte vor dem Besuch Xi Jinpings im September.

OpenAI erklärte gegenüber der Zeitung, offene und geschlossene Modelle hätten beide eine Rolle; Fortschritte chinesischer Open-Weight-Modelle seien kein Argument gegen Offenheit, sondern für ein nationales Rahmenwerk. Anthropic wollte sich nicht äußern, CEO Dario Amodei hat seine Position zu Open-Weight allerdings in einem Beitrag deutlich gemacht. Die NYT führt Urheberrechtsklage gegen OpenAI und Microsoft.

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