Kaum eine Altersgruppe ist derzeit so stark von den KI-bedingten Veränderungen des Arbeitsmarktes betroffen wie die Gen Z. Um den Berufseinstieg junger Menschen zu erleichtern, bietet die britische Regierung im Nordwesten des Landes jetzt ein KI-Bootcamp an. Hier sollen unterschiedliche Tools von Anbietern wie OpenAI und Anthropic zum Einsatz kommen. Laut Ankündigung richtet sich das Pilotprojekt gezielt an junge Menschen, die entweder arbeitslos oder nach dem Schulabschluss von Arbeitslosigkeit bedroht sind.
Anteil von Einstiegspositionen geht zurück
Viele KI-Tools übernehmen inzwischen Aufgaben, die klassischerweise Berufsanfänger:innen erledigten. Dazu gehören beispielsweise das Protokollieren von Meetings oder das Pflegen von Excel-Tabellen. Auch in Deutschland fällt der Berufseinstieg jungen Menschen aktuell schwerer. Die Zahl der Stellenausschreibungen für Berufseinsteiger:innen ist deutlich zurückgegangen. Laut einer Langzeitanalyse der Karriereplattform Stepstone lag der Anteil ausgeschriebener Einstiegspositionen im ersten Quartal 2025 sogar 45 Prozent unter dem Fünfjahresdurchschnitt.
Ähnliche Herausforderungen bestehen auch in Großbritannien. Im Nordwesten Englands startet deshalb jetzt ein Pilotprojekt für junge Menschen, die derzeit weder arbeiten noch eine Ausbildung absolvieren. Bis zu 70 Teilnehmer:innen im Alter von 16 bis 21 Jahren haben die Möglichkeit, eine dreiwöchige KI-Schulung zu absolvieren. Sie sollen lernen, verantwortungsbewusst mit der Technologie umzugehen, ihre Einsatzmöglichkeiten in Unternehmen zu verstehen und eigene KI-Tools zu entwickeln. Zusätzlich werden berufsbezogene Fähigkeiten wie der Umgang mit IT- und Zeiterfassungssystemen vermittelt. Das Pilotprojekt soll ein landesweites Programm zur Schulung von KI-Kompetenzen vorbereiten, das im kommenden Sommer startet.
Junge Menschen sollen fit für die KI-Ära werden
Das neue „Tech First AI Apprenticeship Pathway“-Programm der Regierung baue auf der Mission des Premierministers auf, die technische Ausbildung zu fördern und berufliche Chancen auch außerhalb großer Städte wie London oder Manchester zu schaffen. Die Umsetzung erfolgt gemeinsam mit Unternehmen und öffentlichen Organisationen im gesamten Nordwesten, darunter auch Heinz und JD Sports. „Dieses in seiner Art einzigartige KI-Bootcamp wird junge Menschen an einem entscheidenden Wendepunkt in ihrem Leben unterstützen und ihnen hervorragende Ausbildungs- und Karrieremöglichkeiten im Herzen ihrer Heimatgemeinden vermitteln“, kommentiert Lisa Nandy, britische Ministerin für Digitales, Kultur, Medien und Sport, in der Ankündigung der Regierung.
Bouke Klein Teeselink, Wissenschaftler am King’s College in London und Experte für die Auswirkungen von KI auf die Arbeitswelt, hält das Bootcamp grundsätzlich für eine gute Idee. „Wir müssen junge Menschen für Unternehmen attraktiver machen, und ein Weg dahin ist, ihre Produktivität zu steigern, indem wir ihnen beibringen, wie man KI richtig einsetzt“, so Teeselink gegenüber The Guardian. Er äußerte sich allerdings auch skeptisch darüber, ob drei Wochen ausreichen, um Jugendliche und junge Erwachsene „KI-fähig“ zu machen. Dem Experten zufolge erfordere KI-Kompetenz kontinuierliches Lernen und die stetige Weiterentwicklung von Fähigkeiten.




