Chatbots haben auf fast alle Fragen eine Antwort. Allerdings sind nicht alle Antworten wirklich passend oder faktisch korrekt. Dennoch fragen viele Menschen die KI-Tools inzwischen auch nach medizinischem Rat. Teilweise verzichten sie dann nach Tipps von „Dr. ChatGPT“ sogar auf einen Arztbesuch. Und selbst wenn sie einen Arzt aufsuchen, werden dessen medizinische Entscheidungen oft nochmal per KI überprüft.
Zu diesem Ergebnis kommt die Krankenkasse Pronova BKK in einer Untersuchung. 46 % der Befragten haben sich demnach schon vor einem Arztbesuch per KI eine Diagnose stellen lassen – 36 % haben das nicht nur einmal, sondern mehrfach so gehandhabt. 62 % der Befragten können sich sogar vorstellen, zumindest ab und an nur eine KI-Diagnose zur Gesundung zu verwenden und sich den Besuch der Arztpraxis zu sparen. Im Rahmen der Untersuchung „KI-Nutzung im privaten Alltag 2026“ wurden 3.485 Frauen und Männer ab 18 Jahren befragt.
Wenig überraschend: Besonders die Gruppe der 18- bis 29-Jährigen befragt gerne ChatGPT und Co. zur Gesundheit. 54 % aus dieser Altersgruppe haben dann auch schon deswegen einen Arztbesuch unterlassen. 62 % der Unter-30-Jährigen haben eben auch schon Empfehlungen von Ärzten nochmal durch die KI prüfen lassen.
Insgesamt haben 86 % der Unter-30-Jährigen schon KI für gesundheitliche Fragen genutzt. Immerhin: Auch schon rund jeder 4. der Altersgruppe Ü-60-Jahre hat das getan. 87 % derjenigen, die Gesundheitstipps per KI erhalten haben, waren damit zufrieden. Oft weichen die KI-Empfehlungen aber von den ärztlichen Ratschlägen ab. Da zeigt sich: Jeder 4. ignoriert dann die ärztlichen Diagnosen bzw. die fachliche Meinung und folgt stattdessen lieber der KI. Bei den 50- bis 59-Jährigen, die KI und Ärzteschaft befragt haben, ist es sogar rund jeder Dritte.
KI hat mehr Zeit und beantwortet Nachfragen
Als Vorteil der KI haben die Befragten oft die Chance genannt, sich Diagnosen ausführlich erklären zu lassen und Nachfragen zu stellen. Ärzte sind da in der Tat auch meiner Erfahrung nach manchmal von Nachfragen eher genervt, liefern nur vage oder schlecht verständliche Erklärungen und machen den Eindruck, unter Zeitdruck zu stehen. Das betrifft nicht alle Mediziner, zumindest ich habe es aber oft so erlebt.
Dennoch: 56 % der Befragten geben an, Ärzte könnten am Ende die persönliche Situation besser einschätzen. 55 % halten ihre Informationen für zuverlässiger. Und da sollte man auch klar sagen: Bei ernsthaften gesundheitlichen Beschwerden kann aktuell keine KI einen Arzt ersetzen.
Die Studienergebnisse solltet ihr im Übrigen aber nicht verallgemeinern, da sie auf einer Online-Meinungsumfrage basieren. Solche Untersuchungen sind immer ein interessanter Fingerzeig, liefern aber keine wissenschaftlichen Erhebungen.
Hinweis: Dieser Artikel enthält Affiliate-Links. Kauft ihr darüber ein, erhalten wir eine kleine Provision – ohne Aufpreis für euch und ohne Einfluss auf unsere redaktionelle Meinung.




