Entwickler bauten trotz Kündigung letzten Rettungsanker


Als Microsoft im Mai 2024 die Reißleine zog und das Entwicklerstudio Arkane Austin dichtmachte, stand das Team vor den Trümmern ihres ambitionierten Projekts. Redfall – ein Open-World-Koop-Shooter, in dem Spieler:innen auf einer von Vampiren belagerten Insel gegen düstere Kreaturen und Kultisten kämpfen – war beim Release im Mai 2023 krachend gescheitert.

Mangelhafte Mechaniken, unfertige Konzepte und technisches Chaos machten das Game weitestgehend unspielbar. Das Studio verbrachte Monate mit Schadensbegrenzung, ehe der Mutterkonzern Microsoft das Aus verkündete. Doch ein paar Programmierer:innen wollten ihr Projekt nicht in diesem desaströsen Zustand aufgeben. Sie kehrten trotz Kündigung nochmal ins Studio zurück.

Redfall: Außergewöhnlicher Deal nach dem Rauswurf

Wie die damaligen Führungskräfte Harvey Smith und Ben Horne jetzt im Gespräch mit The Game Business erklärten, suchten ein paar gekündigte Angestellte den Dialog mit der Microsoft-Führung. Ihr Anliegen: Die Erlaubnis, das finale Update auf eigene Faust fertigzustellen.

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Tatsächlich willigte der ehemalige Mutterkonzern ein. Man schloss Sonderverträge ab und ließ sechs bis sieben Entwickler:innen noch einmal an ihre alten Arbeitsplätze. Drei Wochen nach der offiziellen Studioschließung erblickte dann das sogenannte Game-Update 4 das Licht der Welt.

Dieser Patch habe das Spiel laut Smith zwar nicht zu einem großen Erfolg gemacht, aber immerhin zu einem viel besseren Spiel.

Update rettet Redfall – halbwegs

Die Verbesserungen sollten Redfall ein längeres Leben bescheren als zunächst angenommen. So gab es im Update ein Ende des Online-Zwangs, wodurch das Spiel unabhängig von Serverabschaltungen spielbar blieb.

Neben einer Pausenfunktion für Solo-Spieler:innen, spendierten die Entwickler:innen eine verbesserte Gegner-Intelligenz und eine Überarbeitung der Vampirnester. Außerdem integrierte die Crew ein frisches Progressionssystem für die einzelnen Stadtviertel.

Obwohl versprochene Zusatzinhalte wie das Heldenpaket gecancelt wurden und Kund:innen Geld zurückerhielten, verwandelte die Nacharbeit das Desaster in eine funktionierende Software.

Selbstkritik und ein Neustart für Arkane-Veteranen

Neben der Rettungsaktion-Anekdote reflektierten Smith und Horne im Gespräch auch über die Ursachen des Scheiterns. Der Vorwurf, Microsoft habe dem Studio das Konzept eines Service-Games aufgezwungen, stimme demnach nicht. Vielmehr habe sich das Studio selbst von der damaligen Branchenwelle mitreißen lassen.

Smith und Horne haben inzwischen gemeinsam mit anderen Studio-Ehemaligen das Team Black Pony Immersive gegründet, um unter neuem Banner wieder klassische, erzählerisch geprägte Singleplayer-Erfahrungen zu entwickeln.



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