Der Dreame MF10 ist ein rotorloser Standventilator mit zwei schwenkbaren Halbringen. Für 219 Euro bietet er App, Sprachsteuerung und Temperaturanzeige.
Der MF10 für 219 Euro ist Dreames erster Standventilator, und er sieht aus wie kein anderer im Testfeld. Statt eines starren Rings sitzen zwei einzeln motorisierte Halbringe auf der Stange, die sich unabhängig voneinander neigen. Sichtbare Rotorblätter gibt es keine. Der Preis liegt bei 219 Euro. In dieser Klasse stehen bereits der Dyson Cool CF1 (Testbericht) und der Shark Turboblade (Testbericht), beide ebenfalls rotorlos, beide optisch auffällig – und beide mit schwacher Windleistung. Ob Dreame das besser löst, klärt der Test.
Aufbau, Optik & Verarbeitung
Der Aufbau dauert keine Minute und kommt ohne Werkzeug aus: Korpus auf den Sockel setzen, im Uhrzeigersinn bis zum Klick drehen, fertig. Lösen lässt sich das genauso leicht.
Der MF10 misst 37,5 × 27 × 101 cm und wiegt 6,3 kg. Das Gewicht steckt im Metallfuß, dessen Standteller umlaufend übersteht. Das Gerät steht dank gummierter Füßchen auch auf glattem Boden sicher und wackelt beim Anstoßen nicht nach. Die Höhe lässt sich nicht verstellen, anders als bei vielen klassischen Standventilatoren.
Optisch ist der MF10 eine Ansage. Der Ringkopf besteht aus zwei getrennten Halbringen mit sichtbarem Spalt oben und unten, mittig sitzt das runde Bedienfeld mit LED-Anzeige. Der Vergleich mit einem Tie-Fighter aus Star Wars drängt sich auf. Titangold ist die einzige Farbe, wirkt aber modern, edel und dezent genug für viele Einrichtungen.
Die Verarbeitung ist sauber und hochwertig. Der Luftauslass besteht aus mattem Kunststoff, ist fugenlos und lässt sich feucht abwischen. Fingerabdrücke sammelt einzig das Hochglanz-Bedienfeld, eine runde Glasscheibe mit Temperaturanzeige. Der Lufteinlass sitzt im Fuß, sein Gitter hält magnetisch. Das Netzkabel misst 1,8 m und tritt unten am Fuß aus. Einen Tragegriff gibt es nicht – wer die 6,3 kg umsetzt, greift zur Stange.
Windkraft, Lautstärke & Oszillation
Zehn Geschwindigkeitsstufen decken die Leistungsspanne ab. Horizontal oszilliert der Kopf motorisiert über 0 bis 180 Grad. Dazu neigt sich jeder Halbring motorisiert um 0 bis 90 Grad vertikal, unabhängig vom anderen, synchron oder einzeln per Tastendruck ausrichtbar. Das ergibt eine so breite Abdeckung wie bei kaum einem anderen Gerät im Testfeld.
Dreame nennt 28 m³/min Luftstrom, 18 m/s und 13 m Reichweite. Die Praxis sieht anders aus: Bei 5 m ist der Luftzug nur leicht spürbar, bei 7 m wenig, bei 10 m kaum noch. Damit liegt der MF10 am unteren Ende der Wurfweiten unseres bisherigen Testfelds, vergleichbar mit dem Shark Turboblade. Der Grund steckt in der Konstruktion – der Luftstrom wird kaum gebündelt und verteilt sich stattdessen breit im Raum. Im Nahbereich ist genau das die Stärke des MF10: breite, sanfte Luftverteilung statt Punktstrahl.
Bei der Lautstärke messen wir per Handy-App in 50 cm Abstand 32 dB auf Stufe 1. Das ist der lauteste Leerlauf, den wir bisher bei einem Ventilator gemessen haben – kein anderes Gerät im Testfeld startet über 28 dB. Immerhin klingt der MF10 dabei weder hochfrequent noch scharrend, das Geräusch bleibt gleichmäßig und angenehm. Fürs Schlafzimmer taugt er trotzdem nicht. Auf Stufe 10 messen wir 64 dB und liegen gleichauf mit dem Dreo Turbocool 765S (Testbericht). Die Herstellerangabe von 65 dB(A) nach IEC 60879 deckt sich mit unserer Messung. Das Summen der Oszillation stört nicht.
Beim Strom bleibt der MF10 hinter den Sparsamen zurück. Auf Stufe 1 messen wir 6,7 W – nur die beiden Philips-Modelle im Testfeld brauchen im Leerlauf mehr, der Switchbot Standventilator mit Akku (Testbericht) kommt mit 1,1 W aus. Auf Stufe 10 sind es 41,3 W, der zweithöchste Wert nach dem Shark Turboblade. Die drei Oszillationsmotoren kosten einzeln 1,8, 2,3 und 2,3 W extra. Das Typenschild nennt 55 W Nennleistung.
Bedienung & App
Am Gerät sitzen fünf Touchfelder auf der Glasscheibe: Ein/Aus, Stufe, Kopfschwenk und je eines für die beiden Flügelschwenks. Das Display zeigt unter anderem Raumtemperatur, Stufe, Timer, Kindersicherung und WLAN-Status. Die Temperaturanzeige gefällt im Alltag. Wer nachts nicht angeleuchtet werden will, schaltet das Display in der App ab. Auch der Tastenton lässt sich dort deaktivieren. Die Kindersicherung aktiviert ein Dreisekundendruck auf die Stufen-Taste. Nach dem Einschalten laufen die zuletzt gewählten Einstellungen weiter.
Die Fernbedienung haftet magnetisch oben auf der Nabe und bietet mehr Tasten als das Gerät selbst, darunter Timer, Licht und Modus. Ihre Reichweite von 7 m genügt auch in großen Räumen.
Die App Dreamehome verlangt ein Konto. Sie verbindet sich nur mit 2,4-GHz-WLAN – im 5-GHz-Netz bricht die Einrichtung ab. Beim ersten Versuch scheiterte zudem der Download des Plug-ins, nach einem Neustart der App klappte es. Die deutsche Übersetzung ist nicht immer perfekt.
Inhaltlich bietet die App mehr als die Tasten am Gerät: Innentemperatur samt Tagesverlauf, dazu ein zweiter Reiter mit Luftqualität, PM2,5, PM10 und Wetterdaten. Vier Modi stehen zur Wahl – Auto regelt nach dem eingebauten Temperatursensor, Schlaf drosselt auf die niedrigste Stufe, Leistung fährt dauerhaft Stufe 10, im benutzerdefinierten Modus gibt man die Windgeschwindigkeit selbst vor. Dazu kommen Timer, temperaturbasierte Auslöser und die Freigabe an weitere Konten. Per Sprache läuft der Standventilator über Amazon Alexa und Google Home. Matter fehlt ebenso wie eine Anbindung an Apple Home oder Home Assistant.
Besonderheiten
Der MF10 lässt sich zum Luftreiniger (Bestenliste) aufrüsten. Dreame bietet einen Verbundfilter als Zubehör an, der ausdrücklich nicht im Lieferumfang steckt. Er soll Pollen, Milben, Smog, Bakterien und Viren aus der Luft holen, der Hersteller nennt Abscheidegrade von 99,36 Prozent bei PM2,5 und 99,99 Prozent bei PM10. Das Austauschintervall liegt bei drei bis sechs Monaten, die App überwacht die Nutzungsdauer.
Was kostet der Dreame MF10?
Der Dreame MF10 kostet bei Joybuy 219 Euro.
Fazit
Der Dreame MF10 ist ein richtig schöner Standventilator und top-verarbeitet. Der schwere Metallfuß hält ihn bombenfest, und die zwei unabhängig motorisierten Halbringe verteilen die Luft so breit wie kaum ein anderes Gerät. Wer im Luftstrom sitzen will, ohne angeblasen zu werden, bekommt genau das. Dazu kommen App, Sprachsteuerung und ein optionaler Filter, der ihn zum Luftreiniger macht.
Doch nicht alles ist gut. Mit 32 dB auf Stufe 1 hat der MF10 den lautesten Leerlauf des Testfelds und fällt fürs Schlafzimmer aus. Die beworbenen 13 m Reichweite erreicht er nicht annähernd – bei 10 m kommt kaum noch etwas an. Mit 6,7 W im Leerlauf zählt er zu den durstigeren Geräten. Für 219 Euro ist das eine unbequeme Bilanz.
Als Designobjekt und Luftumwälzer für den Nahbereich macht der MF10 glücklich, erst recht in Haushalten mit Kindern oder Haustieren. Wer dagegen ein Gerät sucht, das über Distanz kühlt, leise genug fürs Schlafzimmer bleibt und wenig Strom zieht, greift besser zum Meaco Sefte 10 Pro (Testbericht). Der kostet deutlich weniger und liefert in genau diesen drei Punkten mehr.




