Deepseek bringt verbessertes V4-Pro-Modell, erhöht die API-Preise und macht seine Agenten-Software Open Source


Deepseek hat sein Flaggschiff aus der Testphase entlassen, eine eigene Agenten-Software als Open Source veröffentlicht und zugleich höhere API-Preise angekündigt.

Der Endpunkt deepseek-v4-pro liefert jetzt den Build V4-Pro-0813. Modellname, Parameterzahl und das Kontextfenster von einer Million Token bleiben unverändert, bestehende Integrationen laufen laut Deepseek ohne Anpassung weiter. In App und Web steht das Modell unter “Expert Mode” bereit. Neu ist die native Unterstützung der OpenAI-Responses-API mit Codex-Anbindung. Der Reasoning-Aufwand lässt sich in drei Stufen von “low” über “high” bis “max” steuern, Deepseek empfiehlt die mittlere Stufe für den Agenten-Alltag.

Laut Deepseeks eigener Vergleichstabelle steige Terminal Bench 2.1 von 72,1 auf 87,9 Punkte, DeepSWE von 12,8 auf 62,7. Bei mehreren Agenten-Tests liege das Modell damit vor Claude Opus 4.8.

Benchmark-Tabelle vergleicht V4-Pro-0813 mit V4-Flash-0731, beiden Preview-Builds sowie GLM-5.2, Kimi-K3, Opus-4.8 und Fable 5 in zehn Agenten- und Coding-Tests.
Der neue Build legt gegenüber der Preview-Version deutlich zu, gegen Kimi K3 und Fable 5 reicht es aber nur in einzelnen Disziplinen. | Bild: Deepseek

Artificial Analysis bestätigt den Fortschritt, zeigt aber auch die Lücke gegenüber der Konkurrenz. Im Intelligence Index steigt V4-Pro von 45 auf 53 Punkte und liegt damit gleichauf mit GLM-5.2, aber hinter Muse Spark 1.2 (57), Qwen3.8 Max (58) und Kimi K3 (60). An der Spitze steht Claude Opus 5 mit 63 Punkten. Die Gewichte des neuen Builds hat Deepseek bislang nicht veröffentlicht, auf Hugging Face liegt weiter der Preview-Stand vom April.

Nötig war der neue Build auch, weil das kleine Schwestermodell dem Flaggschiff zuletzt gefährlich nahe kam. Ende Juli hob Deepseek V4 Flash mit dem Update 0731 auf ein Niveau, das im Artificial Analysis Intelligence Index praktisch mit der damaligen Pro-Preview gleichzog, bei einem Bruchteil des Preises.

Agenten-Software unter MIT-Lizenz

Parallel erscheint Deepseek Harness v0.1 als Developer Preview unter MIT-Lizenz. Die quelloffene Agenten-Software positioniert sich als Alternative zu OpenAIs Codex und Claude Code. Sie baut auf dem ebenfalls neu veröffentlichten Plugin-System Cordis auf. Sämtliche Fähigkeiten wie Werkzeuge, Sandboxes, Sessions oder Oberfläche sind austauschbare Plugins. Ein fortlaufendes Sessionprotokoll hält jeden Prompt, jeden Werkzeugaufruf und jedes Ergebnis fest. Läufe lassen sich fortsetzen, verzweigen und erneut abspielen.

Im Minimalmodus stehen nur Shell und Datei-Editor zur Verfügung. Deepseek nutzt ihn für die eigenen Benchmark-Läufe. Gestartet wird die Software per npx über eine lokale Weboberfläche. Deepseek warnt selbst vor Kompatibilitätsbrüchen. Das Projekt entwickle sich schnell weiter. Geleitet wird es von Cui Tianyi, der im März 2026 von Jane Street zu Deepseek kam. Der Aufruf zum Betatest Anfang August zog binnen drei Tagen 712 Projekte an.

Deutlich höhere API-Preise

Die neuen Tarife gelten ab dem 16. August, 16 Uhr UTC. Die Umstellung auf Peak- und Off-Peak-Preise hatte Deepseek bereits Ende Juni angekündigt, damals ohne Zahlen und ohne Termin. Zeitabhängige Tarife gab es zudem schon ab Februar 2025, als nachts ein Rabatt auf V3 und R1 galt.

Außerhalb der Stoßzeiten kostet die Nutzung die Hälfte. Die Spitzenfenster liegen zwischen 1 und 4 sowie 6 und 10 Uhr UTC und damit im chinesischen Arbeitstag. Aus Europa fällt fast der gesamte Nachmittag in den günstigen Tarif.

Preistabelle für die Deepseek-V4-API mit Off-Peak- und Peak-Sätzen für V4-Flash und V4-Pro, jeweils für Cache-Treffer, Cache-Miss und Output pro Million Token.
Ab dem 16. August berechnet Deepseek zwei Tarife pro Modell, der günstigere gilt außerhalb der chinesischen Arbeitszeit. | Bild: Deepseek

Off-peak kostet V4-Pro künftig 0,66 statt 0,435 Dollar pro Million Eingabe-Token und 1,98 statt 0,87 Dollar für die Ausgabe. Zu Spitzenzeiten sind es 1,32 und 3,96 Dollar. Am stärksten steigt der Preis für Cache-Treffer, von 0,003625 auf 0,022 Dollar off-peak und 0,044 Dollar zur Spitzenzeit. Der Cache-Rabatt schrumpft damit von rund einem Hundertzwanzigstel auf ein Dreißigstel des regulären Eingabepreises. Für Agenten, die dieselben Dateien immer wieder einlesen, ist das der teuerste Teil der Umstellung.

Damit kassiert Deepseek die Preissenkung vom Mai teilweise wieder ein. Cache-Treffer liegen künftig sogar über dem Niveau von vor der damaligen Senkung. Gleichzeitig verhandelt das Unternehmen über frisches Kapital und bereitet einen Börsengang vor.

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