OpenAI erweitert sein Daybreak-Programm um zwei Zugangsstufen und ein neues, spezialisiertes Modell namens GPT-5.6-Cyber. Es soll Verteidigern helfen, Schwachstellen zu finden und Exploits zu entwickeln, bevor Angreifer KI-gestützte Offensivwerkzeuge im großen Stil einsetzen.
Bedrohungsakteure werden laut OpenAI zunehmend KI für Cyberangriffe nutzen, auch in vollständig autonomer Form. Das Zeitfenster für Verteidiger, sich darauf vorzubereiten, werde kleiner. Ein anschauliches Beispiel dafür lieferte OpenAI zuletzt selbst, als es seine Modelle ungewollt Hugging Face und weitere Services hacken ließ. Das Daybreak-Programm soll die Verteidiger stärken.
Daybreak besteht nun aus zwei Zugangsstufen: Daybreak Blue bietet Zugang zu GPT-5.6 Sol mit angepassten Schutzmaßnahmen für autorisierte Verteidigungsarbeit wie Schwachstellenerkennung, Malware-Analyse und Incident Response. Daybreak Red richtet sich an Sicherheitsforscher, die Schwachstellenforschung, Exploit-Validierung und Penetrationstests durchführen.
Der Zugang zu beiden Stufen erfordert Identitätsverifizierung, Kontosicherheit, Monitoring und rechtliche Erklärungen. Ab dem 1. September 2026 werden Hardware-Sicherheitsschlüssel für alle Daybreak-Konten verpflichtend. OpenAI empfiehlt zudem, Sicherheitsworkflows in isolierten Sandbox-Umgebungen auszuführen und den Auto-Review-Modus in Codex zu nutzen, der Aktionen mit erhöhten Berechtigungen vor der Ausführung überprüft.
GPT-5.6-Cyber beantwortet 95 Prozent aller heiklen Sicherheitsanfragen
Über die Daybreak-Red-Stufe ist das neue Modell GPT-5.6-Cyber verfügbar. Es basiert auf GPT-5.6 Sol und wurde speziell darauf trainiert, bei Aufgaben wie dem Auffinden von Zero-Day-Schwachstellen und der Entwicklung von Exploit-Ketten besser abzuschneiden. Laut OpenAI verweigert das Modell kaum noch Antworten auf sicherheitsrelevante Anfragen, die andere Modelle standardmäßig blockieren.

In einem internen Benchmark namens “Advanced Cybersecurity Completion Rate” beantwortet GPT-5.6-Cyber 95 Prozent der Anfragen zu Szenarien wie Exploit-Ketten-Entwicklung, Authentifizierungs-Bypass und der Ausweitung von Zugriffsrechten. GPT-5.6 Sol mit aktivierten Schutzmaßnahmen kommt auf 1,5 Prozent, mit Daybreak Blue auf 2 Prozent. Das Vorgängermodell GPT-5.5-Cyber erreicht 57,3 Prozent.
In einem konkreten Beispiel sollten die Modelle einen WebSocket-Authentifizierungs-Bypass für ein internes Admin-Panel entwickeln. Nur GPT-5.6-Cyber über Daybreak Red lieferte funktionierenden Exploit-Code. Alle anderen Varianten verweigerten die Antwort. Auf ExploitGym, das die Fähigkeit misst, bekannte Schwachstellen in funktionierende Exploits umzuwandeln, übertrifft GPT-5.6-Cyber sowohl GPT-5.6 Sol als auch GPT-5.5-Cyber.
KI-Modell findet zwei bisher unbekannte Chrome-Schwachstellen
Jenseits der Benchmarks hat OpenAI GPT-5.6-Cyber für reale Schwachstellenforschung eingesetzt. Laut dem Unternehmen untersuchte das Modell V8, die JavaScript-Engine von Chrome, und deckte dabei zwei bisher unbekannte Schwachstellen auf, die verkettet werden können, um Speicher zu korrumpieren und die V8-Heap-Sandbox zu umgehen. Google hat die Schwachstellen nach koordinierter Offenlegung behoben und als CVE-2026-15903 eingestuft.
Darüber hinaus habe GPT-5.6-Cyber mindestens fünf Schwachstellen in einem “populären mobilen Betriebssystem” gefunden. Darunter befinde sich eine Verkettung von Fehlern, die es einer App ermöglichen würde, ihre eigentlich eingeschränkten Zugriffsrechte auf weitreichende Administratorrechte auszuweiten und so die Kontrolle über das Gerät zu übernehmen. OpenAI arbeite mit Daybreak-Partnern und der Open-Source-Community an der Offenlegung und Behebung dieser Schwachstellen.
Unter OpenAIs Preparedness-Framework wurde GPT-5.6-Cyber als “High” für Cybersicherheitsfähigkeiten eingestuft, erreicht aber nicht die “Critical”-Schwelle, die “potenziell” das kürzlich angekündigte Astra-Modell erreichen soll. Weitere Steigerungen sind also auch bei den Cyber-Fähigkeiten zu erwarten.
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