Claude bekommt ein unsichtbares Wasserzeichen, um Betrug zu erschweren


Chatbots sind praktisch, um Texte zu optimieren oder eine E-Mail an den Chef zu verfassen. Das spart Zeit und trägt zur vielbeschworenen Produktivitätssteigerung bei. Ebenso häufig wird generative KI allerdings auch genutzt, um Recherchen abzukürzen oder gleich eine komplette Abschlussarbeit zu verfassen. Anthropic will mithilfe eines unsichtbaren Wasserzeichens in seinen Claude-Modellen diese Form des Betrugs künftig erschweren.

KI-Tools nehmen immer öfter das Denken ab

Chatbots sind längst Teil des Alltags, klare Regeln fehlen aber bislang. Das zeigt sich etwa bei literarischen Werken. Laut einer BoD-Umfrage nutzen inzwischen 52 Prozent der Autor:innen KI-Tools für ihre Schreibprojekte. Im Jahr 2024 waren es noch rund ein Drittel. Auch die Nutzungshäufigkeit steigt: Der Anteil täglicher Nutzer:innen liegt jetzt bei 23 Prozent und hat sich damit mehr als verdoppelt. Verlage stehen dem kritisch gegenüber: So stoppte die Hachette Book Group, einer der größten US-Verlage, den Verkauf des Horrorromans Shy Girl wegen KI-Vorwürfen und wertete den Einsatz als Vertragsbruch. Laut des KI-Detektors Pangram könnten bis zu 78 Prozent des Buches KI-generiert sein. Die Autorin Mia Ballard weist die Vorwürfe zurück und sagt, ein freiberuflicher Lektor habe ohne ihr Wissen KI-Material eingefügt.

An Schulen und Universitäten fällt das Problem noch größer aus: In einer Befragung der Hochschule Darmstadt gaben 92 Prozent der Student:innen in Deutschland an, zumindest gelegentlich KI-Tools zu nutzen. Manche formulieren sogar gezielt „dumme” Prompts, damit die Texte natürlicher wirken. Andere lassen ihre Ergebnisse so lange durch verschiedene Tools laufen, bis der KI-Anteil kaum noch erkennbar ist. Für die Lernfähigkeit kann diese Form des Schummelns aber gravierende Folgen haben. Eine Studie des Center for Universal Education zeigt, dass KI-Modelle Bildungsprozesse untergraben können, wenn Kinder und Jugendliche ihr Denken zunehmend an sie abgeben. Dabei äußerten 65 Prozent der befragten Schüler:innen selbst die Sorge, KI könnte ihre kognitiven Fähigkeiten schwächen.

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Wie KI-Schummelei unterbunden werden soll

Um den Einsatz von KI besser nachvollziehen zu können, integriert Anthropic jetzt ein unsichtbares Wasserzeichen in Claude-Texte. Das werde weder die Bedeutung noch die Lesbarkeit verändern, aber beim Kopieren und Einfügen als unsichtbarer Hinweis erhalten bleiben. Dieser Schritt solle zudem dabei helfen, Diebstahl oder das Kopieren von Werken zu verhindern. Anthropic kommt damit den Vorgaben eines EU-Gesetzes nach, das das Ziel verfolgt, den Einsatz von KI transparenter zu gestalten. Claude-Modelle, die ab dem 2. August veröffentlicht werden, unterstützen die Kennzeichnung von Beginn an. Laut Anthropic wird zudem daran gearbeitet, das unsichtbare Wasserzeichen auch in ältere Modelle zu integrieren. Die Kennzeichnung gilt weltweit für alle von Claude erzeugten Inhalte.

Während sich Detektoren zum Entlarven KI-generierter Texte etabliert haben, gehen einige Schulen und Universitäten sogar noch weiter: So müssen dänische Schüler:innen im Alter von 16 bis 19 Jahren ihre schriftlichen Arbeiten künftig mündlich verteidigen. An der University of Chicago Law School gilt für Student:innen im ersten Semester außerdem ein Laptop-Verbot. Beide Maßnahmen sollen eigenständiges und kritisches Denken fördern. Claudes Wasserzeichen ist eine weitere Maßnahme, die es erschweren könnte, KI-Texte als eigene auszugeben. Dennoch gibt es Schlupflöcher: Laut Anthropic können umfangreiche Bearbeitungen, Umformulierungen, Übersetzungen oder das Vermischen von KI-Inhalten mit anderen Texten das Wasserzeichen unkenntlich machen. Außerdem könne schon das Korrekturlesen oder Übersetzen mit KI Spuren hinterlassen.



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