Yoshi and the Mysterious Book schickt uns ohne Mario auf Expedition und macht aus dem Jump’n’Run eine entspannte Entdeckungstour durch ein lebendiges Buch.
Seit seinem Debüt in Super Mario World, das 1992 nach Europa kam, hat sich Yoshi zum beliebten Protagonisten mit einer Reihe eigener Spiele entwickelt. Schon während der SNES-Ära folgten Titel wie Yoshi’s Safari und Super Mario World 2: Yoshi’s Island. Zuletzt stand der kleine Dinosaurier 2019 in Yoshi’s Crafted World im Mittelpunkt, davor in Yoshi’s Woolly World. Nun stürzt er sich auf der Nintendo Switch 2 in ein neues Abenteuer.
Statt auf die gewohnten Jump’n’Run-Einlagen mit Timern, Highscores und Game-over-Bildschirmen zu setzen, verfolgt der Titel einen deutlich entspannteren Ansatz. Im Zentrum steht das sprechende Buch Enzo, das eines Tages vom Himmel auf die Insel der Yoshis fällt und sie einlädt, in seinen Seiten zu blättern und mehr über die darin lebenden Kreaturen herauszufinden. Wie sich Yoshi auf seiner Expedition schlägt, klärt der Test.
Story
Das Spiel beginnt mit einer kurzen Filmsequenz: Bowser Jr. erkundet das Schloss seines Vaters und stößt dabei auf eine alte Enzyklopädie. Ihre Einträge über einzigartige Kreaturen wecken seine Neugier, allen voran der sogenannte Wundervogel. Seine Suche endet schnell im Schlamassel, denn Bowser Jr. teleportiert sich versehentlich in das Buch hinein, das kurz darauf auf einer Insel voller Yoshis landet.
Yoshi and the Mysterious Book Bilder
Während die Yoshis das fremde Objekt bestaunen, erwacht das Buch zum Leben und stellt sich als Enzo vor. Er bittet die Yoshis um Hilfe: Sie sollen die Kreaturen auf seinen Seiten studieren und ihnen Namen geben. Wie echte Forscher ziehen wir in der Rolle von Yoshi von einer Expedition zur nächsten, erfahren mehr über Enzo und die Kreaturen und kreuzen dabei immer wieder die Wege von Bowser Jr. und Kamek, die den Wundervogel suchen. Im Vordergrund stehen aber die Expeditionen selbst, auf denen wir ganze Ökosysteme voller skurriler, liebenswerter Kreaturen aufdecken.
Spielmechanik
Im Kern ist Yoshi and the Mysterious Book ein Jump-‘n’-Run-Sidescroller, doch statt auf flinke Fingerfertigkeit setzt das Spiel auf Entdeckerdrang. Um die Umgebungen zu erforschen, stehen Yoshi fünf Fähigkeiten zur Verfügung: Er schluckt Items, wirft Eier, nutzt den Flatterflug, aktiviert oder zerstört Elemente mit der Stampfattacke und befördert Kreaturen per Schwanzschwung auf seinen Rücken.
Besonders der Schwanzschwung entpuppt sich als zentrale Mechanik, denn je nach Kreatur eröffnen sich völlig neue Fähigkeiten: Blumen erblühen und bilden neue Plattformen, oder es entstehen Seifenblasen, die Yoshi durch die Luft tragen. Die Fähigkeiten sind schnell gemeistert und ergeben zusammen mit den Eigenheiten der jeweiligen Kreatur ein Set, das sich auf jeder Expedition vielseitig einsetzen lässt.
Ganz im Zeichen der Forschung hält Enzo jede Entdeckung sofort auf seinen Buchseiten fest. Egal, ob es der Geschmack einer Blume beim Verschlingen ist, wie sich die Seifenblasen-Kreatur im Schlamm verhält oder was passiert, wenn Yoshi eine Stampfattacke auf dem Kopf einer Kreatur ausübt: Alles wird notiert. Den krönenden Abschluss jeder Expedition bildet eine besonders große Entdeckung, mit der es zurück ins Buch geht. Und natürlich braucht jede neu entdeckte Kreatur auch einen Namen. Der Kreativität steht dabei nur die Begrenzung auf zehn Zeichen im Weg.
Zurück im Buch steht frei, wohin die Reise als Nächstes geht. Ausschlaggebend sind allein die gesammelten Sterne: Eine bestimmte Anzahl schaltet ein neues Kapitel frei. So lässt sich das erste Kapitel mit seiner Umgebung und all seinen Kreaturen bis zur letzten Entdeckung auskundschaften – oder man sammelt nur die nötigen Sterne, schaltet zuerst alle Kapitel frei und pickt sich danach die interessantesten Orte und Kreaturen heraus. Dieses Maß an Freiheit, das die semi-offene Spielwelt lässt, trägt das zurückgelehnte, neugierige Spielgefühl. Besonders schade ist deshalb das Fehlen eines Koop-Modus, denn als Spielerlebnis für die ganze Familie würde sich der Titel bestens eignen.
Grafik
Auch optisch schlägt der Titel eine eigene, malerische Richtung ein. Yoshi, die Umgebungen und die zahlreichen Kreaturen wirken wie aus einem handgemalten Bilderbuch entsprungen, weiter entfernte Objekte sind nur in Bleistift-Optik angedeutet.
Die Stilrichtung macht sich auch technisch bemerkbar: Die Figurenanimationen laufen bewusst mit niedriger Bildrate, weil das Spiel hier die künstlerische Route der technischen vorzieht. Das Spiel selbst kommt dagegen auf 60 fps, im TV- wie im Handheld-Modus, und löst am Fernseher mit bis zu 2160p auf. So entsteht eine charmante Spielwelt. Nur die Auflösung der Texturen wirft an einigen Stellen die Frage auf, ob es sich um Fehler oder um stilistische Entscheidungen handelt. Andere technische Probleme oder Ruckler fallen im Test nicht auf.
Yoshi and the Mysterious Book erscheint exklusiv für die Nintendo Switch 2, eine Fassung für die erste Switch gibt es nicht.
Preis
Yoshi and the Mysterious Book kostet aktuell 57 Euro bei Galaxus.
Fazit
Mit Yoshi and the Mysterious Book folgt Good-Feel dem quietschbunten, verspielten Ansatz der eigenen Vorgänger Yoshi’s Woolly World und Yoshi’s Crafted World. Statt eines hohen Schwierigkeitsgrads steht entschleunigte, charmante Unterhaltung im Vordergrund. Details wie die Benennung der Kreaturen oder die Anpassung der Seitenlayouts schaffen eine gemütliche Atmosphäre, die zum Abschalten einlädt und den kindlichen Entdeckerdrang bedient.
Wer eine entspannte, liebevoll gestaltete Auszeit vom klassischen Jump-‘n’-Run-Trubel sucht, kommt hier auf seine Kosten. Erfahrene Genre-Fans werden dagegen die Herausforderung vermissen. Und wem der gemütliche Ton zusagt, wer aber lieber baut und sammelt als springt, greift stattdessen zu Pokémon Pokopia (Testbericht) – es deckt dieselbe entschleunigte Richtung mit deutlich mehr Aufbau-Anteil ab.






