Katastrophenmanagement in Sicherheitssystemen mitplanen
Fachartikel |
26.08.2026
Stromausfall, Brand, Evakuierung: Notfälle erfordern durchdachte Sicherheitskonzepte. Wie sich Zutrittskontrolle ins Notfallmanagement integrieren lässt und welche technischen Lösungen im Ernstfall Handlungsfähigkeit sichern – von Notstromversorgung über Feuerwehrschlüssel bis zur digitalen Evakuierungsliste.
Notfälle sind selten, müssen bei der Planung von Sicherheitskonzepten jedoch jederzeit berücksichtigt werden. Bricht ein Feuer im Unternehmen aus, hat die schnellstmögliche Räumung des Gebäudes Priorität. Fällt der Strom aus, ist die technische Infrastruktur lahmgelegt. Damit solche Notfälle nicht zur Katastrophe eskalieren, ist Planung und Vorbereitung nach dem Allgefahrenansatz Stand der Technik.
Idealerweise wird das Katastrophenmanagement mit dem Sicherheitssystem mitgeplant. So kann die Zutrittskontrolle auch mit Brandschutz und Notfallplänen verbunden werden (Bild 1). Auch wenn die Aufgabe der Zutrittskontrolle die Steuerung von Türen ist, kann sie mit übergeordneten Gefahrenmanagementsystemen oder Einbruchmeldeanlagen verbunden werden. Möglich machen dies API- oder OPC-Schnittstellen.
Bei Stromausfall handlungsfähig bleiben
Um im Falle eines Stromausfalls handlungsfähig zu bleiben, bietet PCS für die elektronische Zutrittssteuerung einen Server mit Akku an. Die Zutrittskontrollzentralen halten durch diese Notstromversorgung den Betrieb bis zu vier Stunden oder etwa 2500 Türöffnungen aufrecht, was selbst für mittelgroße Betriebe ausreichend ist. Sie versorgen dabei auch die angeschlossenen RFID-Zutrittsleser (RFID = Radiofrequenz-Identifikation) mit Energie. Der Ladezustand des Akkus lässt sich im Setup überprüfen.

(Bild: PCS)
Wer eine Zutrittslösung unabhängig vom Stromnetz realisieren möchte, kann auf eine batteriebetriebene RFID-Lösung direkt an der Tür setzen, entweder im Türgriff oder als Schließzylinder. Dafür eignen sich mechatronische Schließsysteme wie »Intus Flex«, die in vielen Varianten erhältlich sind (Bild 2).
Eine langlebige Batterielaufzeit ermöglicht bis zu 10.000 Türöffnungen, bevor die Batterie gewechselt werden muss. Der Batteriestatus kann über die Zutrittskarte an das führende System gemeldet werden. Auch Brand- und Rauchschutztüren sowie Fluchttüren können mit mechatronischen Schließsystemen ausgestattet werden.
Zutrittskontrolle darf Fluchtwege nicht verhindern
Die Krisenprävention für den Brandfall ist durch die Brandschutzvorgaben sehr detailliert vorgegeben. So sind zum Beispiel bestimmte Brandschutztüren oder Tore im Gebäude als sogenannte Feuerabschlüsse immer geschlossen zu halten, um die Ausbreitung von Feuer und Rauch zu verhindern. Die Zutrittskontrollsoftware von PCS unterstützt hier präventiv, denn sie gibt Rückmeldung zum Türstatus. Steht eine Tür zu lange offen, wird eine Alarmmeldung generiert, die an den Wachdienst weitergeleitet wird. So kann sofort reagiert und das Schließen der Tür veranlasst werden.
Im Brandfall kann es aber auch notwendig sein, alle Türen mit einem Gruppenbefehl zu öffnen, damit Fluchtwege nicht behindert werden. In diesem Fall wird durch einen Brandmeldealarm im verbundenen Zutrittssystem eine Daueröffnung aller Türen initiiert, sodass Fluchtwege geöffnet werden und Personen sich schnell in Sicherheit bringen können. Denn eine Zutrittskontrolle, die die Öffnung der Fluchtwegetüren verhindert, wäre in diesem Fall kontraproduktiv.
Feuerwehrschlüssel öffnet Rettungskräften Tür und Tor

(Bild: PCS)
Hier wird deutlich, wie das Sicherheitskonzept und der Brandschutz zusammen geplant werden sollten. Denn auch ein potentieller Feuerwehreinsatz darf nicht durch Zutrittskontrolle behindert werden. Erschwerend kommt hinzu, dass ein Feuer zu jeder Tages- und Nachtzeit auftreten kann. Gerade außerhalb der üblichen Betriebszeiten ist nicht immer sichergestellt, dass verantwortliches Personal vor Ort ist, um der Feuerwehr die Tür zu öffnen.
Damit das Rettungswesen Zugang auf das Gelände hat, ist eine Schlüsselbox für die Feuerwehr eine gute Lösung (Bild 3). In einer Schlüsselbox kann ein RFID-Transponder als Generalschlüssel für die Zutrittskontrolle hinterlegt werden, der eine langfristige Gültigkeit hat. So kann die Feuerwehr Türen öffnen, auch wenn kein Firmenangehöriger vor Ort ist.
Prävention und Nofall-Evakuierung im Brandfall planen
Gerade an Brandschutztüren eignen sich mechatronische Zylinder als Schließsystem. Um dem Brandschutz zu entsprechen, sind anspruchsvolle Vorgaben und notwendige Normen zu berücksichtigen, wie sie die Offline-Komponenten »Intus Flex« erfüllen. VdS-zertifiziert wurde zum Beispiel der »Intus Flex«-Digitalzylinder. Er erhielt das Zertifikat VdS-BZ+ und eignet sich besonders für schützenswerte Bereiche wie Kassenräume, Geschäftsführerbüros oder Sicherheitszonen. Die VdS-Zertifizierung wird häufig von Versicherungen oder im Rahmen von Ausschreibungen gefordert – damit erhalten Anwender eine verlässliche Lösung für Projekte mit erhöhtem Schutzbedarf.
Falls tatsächlich ein Brand ausbricht, ist es wichtig, das Feuer so schnell wie möglich zu detektieren. Dafür ist der Einsatz von Videoüberwachung sinnvoll. PCS verwendet robuste Kameras der Firma Axis, die gegen Explosionen geschützt sind und sich für den Einsatz in potenziell brandgefährdeten Räumen eignen. Eine Videoanalysefunktion unterstützt bei der Früherkennung von Feuer. Wird Rauch erkannt, wird eine Meldung an das übergeordnete Videomanagementsystem gesendet.
Im Katastrophenfall müssen Gebäude geräumt und Menschen evakuiert werden. Zur Abwicklung der Evakuierung lässt sich in der Zutrittskontrollsoftware eine Notfallliste aller anwesenden Personen erstellen, damit das Einsatzkommando Transparenz über die zu rettenden Personen hat. Optimal ergänzt wird diese Funktion durch einen Zutrittsleser am Sammelplatz. Personen, die sich in Sicherheit befinden, können sich am Sammelplatzleser mit ihrem Firmenausweis als »gerettet« registrieren.
Beschäftigte auf Notfälle vorbereiten
Die beste Maßnahme zur Brandvermeidung ist die Sensibilisierung der Beschäftigten für alltägliche Brandgefahren. In der obligatorischen jährlichen Sicherheitsunterweisung sollte der Arbeitgeber deshalb das Thema Brandschutz aufgreifen. Das PCS-Besuchermanagement bietet dazu ein selbständiges E-Learning an, das Mitarbeiter zu einem beliebigen Zeitpunkt absolvieren können. Mit dem Autorentool der webbasierten Software werden präventive Brandschutzschulungen erstellt. Bilder und Videos können eingebunden werden, um das Verhalten im Gefahrenfall und den Rettungsplan präsent zu halten. Die Teilnehmer absolvieren die Unterweisung selbständig als E-Learning, am Ende des Trainings überprüft ein Test den Lernerfolg.
Diese fünf Maßnahmen sollten in keinem Sicherheitskonzept fehlen:
-
Notstromversorgung sicherstellen: Zutrittskontrollzentralen mit Notstrom-Akku und batteriebetriebenen mechatronischen Schließsystemen verwenden.
-
Fluchtwegesteuerung integrieren: Türen im Brandfall automatisch öffnen lassen – Gruppenbefehle über das Zutrittssystem ermöglichen.
-
Feuerwehrzugang gewährleisten: Schlüsselbox mit Transponder als Generalschlüssel bereitstellen, auch außerhalb der Betriebszeiten.
-
Früherkennung durch Videoanalyse: Kameras mit Branddetektion und Anbindung an ein Videomanagementsystem nutzen.
-
Mitarbeiterschulung per E-Learning: Brandschutzunterweisungen regelmäßig durchführen – idealerweise über eine Lösung mit Self-Service.






