Eigentlich habe Ronnie Chatterji nie vorgehabt, für OpenAI zu arbeiten. Trotzdem ist er inzwischen seit fast zwei Jahren als Chefökonom für das KI-Unternehmen tätig. Die Aufgabe seines Teams besteht darin, die Auswirkungen von KI auf den Arbeitsmarkt zu untersuchen – eine Frage, die derzeit auch viele Mitarbeiter:innen beschäftigt. Gegenüber Business Insider gab er an, sein Team zeitnah ausbauen zu wollen. Dabei gebe es allerdings eine zentrale Herausforderung: Das Stellenprofil ändere sich ständig.
Wie wird KI die Arbeitswelt verändern?
Chatterji war mehrere Jahre für die US-Regierung tätig. Unter dem ehemaligen US-Präsidenten Joe Biden hatte er unter anderem die Position des stellvertretenden Direktors des National Economic Council inne. Davor war er Chefökonom im Handelsministerium. Seit über 20 Jahren lehrt er außerdem als Professor für Wirtschaft und öffentliche Politik an der Duke University. OpenAI habe ursprünglich nicht auf Chatterjis Wunschliste gestanden. Nachdem aber ein ehemaliger Kollege zu dem KI-Vorreiter gewechselt war, begannen die beiden, sich über die Ökonomie der neuen Technologie auszutauschen. „So entstand die Position des Chefökonomen“, sagte Chatterji im Interview mit Business Insider.
Inzwischen leitet er bei OpenAI ein eigenes Forschungsteam mit mehr als zehn Mitarbeiter:innen, darunter Ökonom:innen, Datenwissenschaftler:innen, Wirtschaftsexpert:innen sowie ehemalige Regierungsmitarbeiter:innen. Ihre Aufgabe besteht darin, zu untersuchen, wie sich die Technologie auf Arbeitnehmer:innen, Unternehmen, Institutionen und die Gesamtwirtschaft auswirkt. Laut Chatterji müssten seine Teammitglieder dafür eine ganz besondere Kombination aus Fähigkeiten und Denkweisen mitbringen, da die schnelle Weiterentwicklung von KI ihre Arbeit in neue Richtungen lenken könne. Als Beispiel dafür nannte er die Fähigkeit von KI-Systemen, sich selbst zu verbessern. Bis vor einem Jahr hätte sich sein Team damit noch nicht beschäftigt.
Flexibilität, Schnelligkeit und Eigeninitiative
„Wir haben das Team um drei Fragekomplexe herum aufgebaut: Wie KI die Arbeit heute verändert, wie Unternehmen KI einführen und ihre Strukturen entsprechend umgestalten und was eine immer leistungsfähigere KI für die Wirtschaft von morgen bedeuten könnte“, so der OpenAI-Chefökonom weiter. Die Herausforderung bestehe darin, dass sich diese Fragen fast so schnell ändern, wie sich die Technologie weiterentwickle. Flexibilität sei deshalb eine unerlässliche Eigenschaft, um in seinem Team erfolgreich zu sein. „Wir brauchen Menschen, die die aktuellen Entwicklungen mit strengen wirtschaftswissenschaftlichen Denkansätzen betrachten können, sich aber auch wohl dabei fühlen, Fragen anzugehen, auf die wir noch nicht alle Antworten haben“, sagte er. „Man muss sich damit wohlfühlen, sich unwohl zu fühlen.“
Gegenüber Business Insider gab Chatterji an, neue Mitarbeiter:innen für sein Team einstellen zu wollen. Angesichts der sich ständig wandelnden Anforderungen und Aufgaben sei das allerdings gar nicht so leicht. „Die Stellenbeschreibung ändert sich stark“, erklärte er. Auch die Bereitschaft zur Zusammenarbeit spiele eine zentrale Rolle – ebenso wie Schnelligkeit. Chatterji beschrieb das Innovationstempo bei OpenAI als „ein wenig verrückt“ und verwies in diesem Zusammenhang auf eine Studie, deren Datensatz im Juni endete und die im August schon von einigen als veraltet bezeichnet worden sei. Diese Kombination aus ständig neuen Herausforderungen mache ein gewisses Maß an Eigeninitiative erforderlich: Laut dem Chefökonom müssten seine Mitarbeiter:innen selbst mitentscheiden, welche Probleme es wert sind, gelöst zu werden – und welche nicht.





