So lassen sich Smartphones auch ohne Hände steuern


In Deutschland leben aktuell 140.000 Menschen mit einer Querschnittslähmung. Jedes Jahr steigt diese Zahl um rund 2.400 Fälle, wie die Fördergemeinschaft der Querschnittsgelähmten auf ihrer Webseite schreibt. Weltweit sind die Zahlen noch gravierender. Global gesehen, kommt alle 90 Sekunden ein neuer Fall hinzu. Obwohl die Betroffenen sich kaum noch bewegen können, ist die Teilhabe am Alltagsleben weiterhin wichtig.

Dazu zählt nicht nur, durch Barrierefreiheit öffentliche Einrichtungen problemlos nutzen zu können. Ein großer Teil der Teilhabe besteht darin, trotz der Behinderung ein selbstbestimmtes Leben führen zu können. Im ersten Moment scheinen viele alltägliche Dinge, wie das Nutzen eines Smartphones und die damit verbundene Freiheit, mit anderen zu kommunizieren oder das Geschehen in der Welt zu erfahren, zunächst unerreichbar. Doch tatsächlich gibt es mittlerweile gute Barrierefreiheitsoptionen für Android-Smartphones, die Hände komplett mit der Stimme ersetzen können.

Was ist Voice Access?

Google stellt für Android eine eigene App bereit, die Barrierefreiheit für Menschen mit körperlicher Beeinträchtigung bringen soll. Voice Access kann dabei ganz einfach über den Play-Store kostenlos auf jedes Android-Gerät heruntergeladen werden. Laut Store-Seite ist die dafür erforderliche Android-Version je nach Gerät unterschiedlich. Solltest du aber ein halbwegs aktuelles Android-Smartphone oder -Tablet besitzen, sollte die App darauf problemlos laufen.

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Und Voice Access macht genau das, was der Name verspricht. Es gibt dir über deine Stimme Zugriff auf dein Android-Gerät. Google nennt hier als Beispiel nicht nur Menschen mit einer Lähmung, sondern auch solche, die durch einen Tremor oder vorübergehende Verletzungen Schwierigkeiten damit haben, den Touchscreen eines Smartphones oder Tablets mit ihren Fingern zu bedienen.

Sobald Voice Access installiert ist, gibt es zwei Optionen, um die Sprachsteuerung zu aktivieren. Zunächst kannst du ein Voice-Access-Symbol der Navigationsleiste hinzufügen. Neben den Buttons für „Zurück“, die aktiven Apps und den Home-Screen taucht dann das Symbol auf. Wird es gedrückt, kannst du direkt mit den Sprachbefehlen loslegen. Da das Betätigen für Menschen mit körperlicher Beeinträchtigung aber schwer sein kann, kann Voice Access auch per Sprachbefehl aktiviert werden. Dazu reicht ein „Hey Google, aktiviere Voice Access“ oder „Hey Google, aktiviere die Sprachsteuerung“.

Welche Funktionen bietet Voice Access?

Im Grunde kann Voice Access alle Funktionen übernehmen, die sonst mit den Händen bei Android-Geräten möglich wären. Um die Möglichkeiten zu zeigen, stellen wir dir an dieser Stelle drei Alltagsbeispiele vor. Wer Anrufe mit Voice Access tätigen will, kann einfach „Rufe YX an“ sagen, während das Tool aktiv ist. So weit, so standardmäßig. Besonders praktisch wird Voice Access für Anrufe durch einige zusätzliche Einstellungen.

So kannst du auswählen, dass sich Voice Access immer automatisch aktiviert, wenn du einen Anruf erhältst. Dadurch kannst du direkt sagen, ob du selbigen annehmen oder ablehnen willst, ohne die Funktion dauerhaft am Smartphone aktiviert zu lassen. Zudem lässt sich einstellen, dass Voice Access während eines Anrufs aktiv sein soll – etwa, um aufzulegen, die Lautstärke zu verändern oder andere Apps aufzurufen. Dabei ist ein weiteres Feature nützlich: „Verben erforderlich machen“. Dadurch muss Voice Access immer mit Wörtern wie „Tippe“ oder „Öffne“ angesprochen werden, um eine Eingabe zu machen. Das verhindert ungewollte Eingaben während des Telefongesprächs.

Ein weiteres Beispiel für die Features von Voice Access bei der Kommunikation: Du bist nicht nur auf Anrufe und SMS beschränkt, sondern kannst jeden Messenger nutzen, der unter Android läuft. Er muss keine eingebaute Kompatibilität mit Voice Access haben. Das System integriert sich ganz natürlich in die App und übernimmt die Steuerung.

So kannst du etwa „Öffne Whatsapp“ sagen, um den Meta-Messenger zu öffnen. Dann landest du in der Übersicht aller Chats. Im Anschluss sagst du „Tippe auf …“ gefolgt von einem Namen deiner Kontakte. Voice Access scannt automatisch den Bildschirm nach dem Namen und tippt darauf, um den zugehörigen Chat zu öffnen. Sollte ein Name oder Begriff mehrfach auftauchen, markiert Voice Access alle Einträge und beziffert sie. So kannst du einfach „eins“ oder „zwei“ sagen, um zum richtigen Eintrag zu kommen.

Im Anschluss kannst du deine Nachricht diktieren. Dabei musst du nicht unbedingt beim ersten Mal einen perfekten Text einsprechen. Gibt es Fehler, kannst du Textpassagen wieder löschen und neu diktieren. Der Befehl „Markieren“ funktioniert dabei ebenso, wie das Austauschen einzelner Wörter über „Ersetze X mit Y“. Am Ende sagst du „Klicke ‚Senden‘ an“, um die Nachricht abzuschicken.

Zu guter Letzt ein Beispiel beim Surfen im Browser. Du kannst über den Befehl „Öffne Chrome“ den Browser von Google aufrufen. Das Anklicken der Suchleiste und das Formulieren eines Suchbegriffs können etwas umständlich sein. Deshalb hat Google einen speziellen Befehl bereitgestellt, der das alles überspringt. Wird im Startbildschirm von Google Chrome „Suche nach XY“ gesagt, öffnet Voice Access automatisch die Suchleiste, gibt den gewünschten Begriff selbstständig ein und sucht dann danach. So werden mehrere Schritte, die normalerweise einzelne Sprachbefehle benötigen würden, in einem zusammengefasst.

Eine Liste aller Voice-Access-Befehle findest du direkt in den Einstellungen der App. Da diese aber nur aus langen Listen bestehen, haben wir mit Unterstützung von Anthropics KI Claude für dich ein übersichtliches PDF mit allen Sprachbefehlen zusammengestellt. Über den Link gelangst du direkt zur Datei.

Lösungen für Menschen mit anderen Einschränkungen

Natürlich gibt es eine Vielzahl von körperlichen Beeinträchtigungen, die das Nutzen von Voice Access unmöglich machen. Dazu zählen etwa Sehbehinderungen oder Spracheinschränkungen. Auch hierfür bietet Android Hilfestellungen, um die Nutzung eines Smartphones oder Tablets zu erleichtern. Für Menschen, die nicht richtig sehen können, gibt es Talkback. Darüber liest eine Computerstimme alles vor, was aktuell auf dem Bildschirm markiert wird. Die Option findet sich direkt in Android vorinstalliert.

Dadurch ist es auch blinden Menschen möglich, ein Android-Smartphone zu nutzen. Sobald Talkback aktiviert ist, wird die herkömmliche Steuerung des Smartphones umgestellt. Statt eines Tippens, um Apps oder Menüpunkte auszuwählen, braucht es ein Doppeltippen. So können blinde Menschen auf Elemente auf dem Bildschirm tippen, sich selbige vorlesen lassen und das, ohne falsche Eingaben zu machen. Befinden sich die Finger erst einmal an der richtigen Stelle, braucht es nur noch den besagten Doppeltipper, um das Element auszuwählen.

Für Menschen, deren Motorik und Sprache eingeschränkt sind, gibt es noch die App „Schalterzugriff„, die ebenfalls von Google entwickelt wird. Über die App kann die Frontkamera genutzt werden, um das Android-Gerät zu steuern. Statt Sprachbefehle zu äußern, können das Öffnen des Mundes, ein Lächeln, das Heben der Augenbrauen oder das Neigen des Kopfes genutzt werden, um Aktionen durchzuführen. Dabei können die Gesten frei Aktionen zugewiesen werden.

Um das richtige Element auf dem Bildschirm auswählen zu können, markiert Android, sobald der Schalterzugriff aktiviert ist, alle Elemente auf dem Bildschirm einzeln von oben nach unten. Sobald das richtige Element, wie ein Senden-Button, markiert ist, muss nur noch die entsprechende Geste ausgeführt werden, um zu bestätigen.

Kennst du schon diese Android-Funktionen?

Kennt ihr diese Android-Funktionen?



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