
Die DJI Osmo Pocket 4P ist inzwischen auch hierzulande erhältlich. Sie positioniert sich als „Pro-Modell“ oberhalb der Osmo Pocket 4, welche ich vor einigen Monaten unter die Lupe nehmen konnte. Während es bei der Osmo Pocket 4 eher um granulare Verbesserungen gegenüber dem Vorgängermodell geht, möchte die Pocket 4P mit einer zweiten Linse, einem höheren Dynamikumfang und mehr Lichtstärke, sprich besserer Low-Light-Performance, punkten. Klingt auf dem Papier vielversprechend, ich konnte mir den großen Bruder der kompakten Gimbal-Kamera bereits vor dem europäischen Marktstart schon für euch anschauen und erste Eindrücke sammeln und auch Vergleiche anstellen.

So viel vorneweg: Viele Erfahrungen decken sich mit jenen der Osmo Pocket 4. Es gibt aber durchaus einige Punkte, weshalb manche vielleicht lieber zur Pocket 4P greifen sollten. Vor allem Unterschiede von der Pocket 4 zur Pocket 4P sollen in diesem Bericht hervorgehoben werden.
DJI Osmo Pocket 4P: Pro-Modell mit zwei Objektiven ab sofort hierzulande erhältlich
DJI hat die Osmo Pocket 4P bereits in Europa angeteasert. Eine Vorstellung der kompakten Gimbal-Kamera ist aber bisher nur für den chinesischen Heimatmarkt erfolgt. Sie…
Ein Blick aufs Datenblatt legt das Herzstück offen, ein Gespann aus zwei Linsen bzw. Sensoren. Verbaut ist eine Weitwinkellinse mit 1-Zoll-Sensor (CMOS) mit einem Äquivalent von 20 mm und einer Blende von f/2.0. Zusätzlich ist eine Tele-Linse mit dreifacher Vergrößerung (60 mm) mit von der Partie, die auf einen 1/1.28-Zoll-CMOS-Sensor mit f/1.8-Blende setzt. Diese bietet bis zu 12-fach optischen Zoom. Die Hauptlinse unterstützt mit 17 Stufen einen höheren Dynamikumfang und erlaubt dank D-Log 2 und 10-Bit-Farbtiefe entsprechenden Spielraum bei der Postproduktion. Slow-Motion-Aufnahmen sind in 4K mit bis zu 240 Bildern pro Sekunde möglich. Fotoaufnahmen lassen sich mit bis zu 37 Megapixeln tätigen.
Der Gimbal setzt auf eine Drei-Achsen-Stabilisierung und unterstützt mit ActiveTrack 8.0 DJI-typische, aktive Trackingfunktionen zum Verfolgen von Personen, Tieren und Fahrzeugen sowie Objekten. Auch mehrere Personen können verfolgt werden. Die Gimbal-Kamera bringt 230 Gramm auf die Waage und verfügt auf dem Papier über eine Akkulaufzeit von 210 Minuten. Binnen 18 Minuten soll der Akku wieder auf 80 Prozent geladen sein.
Ausgepackt, angefasst & eingerichtet

Im Vergleich fällt die Osmo Pocket 4P ein gutes Stück größer aus, als der kleine Bruder. Vor allem die Kameralinsen schlagen da zu Buche, was sich in einem Mehrgewicht von knapp 40 Gramm niederschlägt: Während die Osmo Pocket 4 190 Gramm schwer ist, bringt die Pocket 4P 230 Gramm auf die Waage. Das ist im Gebrauch dennoch an den meisten Stellen zu verschmerzen, und auch diverse Smartphone-Boliden wildern da gewichtstechnisch in ähnlichen Gefilden. Auch die Pocket 4P ist, DJI-typisch, gut verarbeitet und macht insgesamt einen wertigen Eindruck. Ich persönlich würde hier aber umso mehr zum Akkugriff oder dem Griff (mit Gewinde) greifen. Das ist wesentlich ergonomischer, zumal die Pocket 4P kopflastiger ist als ihr kleiner Bruder.

Zur Einrichtung hatte ich bereits bei der Osmo Pocket 4 lobende Worte gefunden: Das Koppeln geht schnell vonstatten und man hat mit der Smartphone-App direkt Zugriff auf alle Aufnahmen der Kompaktkamera. Ein Account wird für die Aktivierung bei der Ersteinrichtung benötigt, auf weiteren Geräten kann die Pocket dann auch ohne Account gekoppelt werden.
Die Osmo Pocket 4P: Verdient sie den „Pro-Zusatz“?
Das Ein- und Ausschalten durch das Drehen des Displays ist intuitiv. Ebenso sind die Bedienelemente da, wo man sie benötigt und, sodass man sich – von anderen DJI-Gimbals kommend – nicht groß umgewöhnen muss. Die Kamera ist kompakt, ebenso das Touch-Display, der Großteil der Bedienung erfolgt aber per Joystick oder durch das automatische Tracking.

Wer die Pocket, etwa auf einem Stativ stehend, fernsteuern möchte, musste bisher zu einem Smartphone mit App-Anbindung greifen. Neu ist die Möglichkeit hier mit dem Osmo FrameTap mit einem kleinen Zusatzdisplay zuzugreifen. Zuerst dachte ich mir, das sei etwas überflüssig. Die kompakte Größe lässt sich aber in der Funktion als Selbstauslöser irgendwie einfacher verstecken. Zudem sind ein Joystick für die Gimbal-/Zoom-Bedienung und die Aufnahmetaste in haptischer Form dann doch recht willkommen. Coole Sache: Das Gadget lässt sich nicht nur mit der Pocket 4P verwenden, sondern auch mit einer Pocket 4 oder dem Smartphone koppeln (bei Letzterem ohne passendes Gimbal wohl leider nicht als Fernauslöser, aber das ließe sich sicher softwareseitig implementieren).

Ich bin an den Test mit dem Gedanken herangegangen, dass DJI beim 4P-Modell sicherlich etwas an der Aufnahmequalität geschraubt hat, dies in vielen Szenarien im Vergleich zur Osmo Pocket 4 aber bestimmt nicht heraussticht.

Und was soll ich sagen: Ich wurde positiv überrascht: Während die Weitwinkelkamera in diversen Belangen und im Alltag vergleichbar mit der Pocket 4 ist, hat sich vor allem die Tele-Linse hervorgetan. Nicht nur aufgrund ihrer Zoom-Qualitäten, sondern weil sie ein bombastisches Bokeh erzeugt und sich hervorragend als Optik für Personenaufnahmen eignet.

Auch das Anfertigen von Fotos (Richtig, die Pocket ist keine reine Videokamera!) ist mit der Tele-Linse wirklich sehr angenehm. Gerade die Teleoptik profitiert zusätzlich von der Gimbal-Stabilisierung. Der Wechsel zwischen den Linsen ist übrigens optisch (durch eine etwas andere Farbgebung) spürbar und erfolgt mit einem kleinen zeitlichen Versatz. Bis zu zwölffach lässt sich vergrößern, was auch den einen oder anderen beeindruckenden Makro-Shot mit dieser Linse ermöglicht – die Naheinstellgrenze lässt einen nämlich nicht allzu nahe ran.

Die Weitwinkelkamera punktet – gerade auch im Vergleich zum kleinen Bruder und aufgrund des neuen Sensors – mit verbesserter Low-Light-Stärke. Auch bei wenig Licht fängt die Kompaktkamera ein dynamisches Bild ein, ohne es künstlich aufzuhellen. Lediglich sehr helle Spots wie Lampen brennen aus. Und sie springt vor allem dort in die Bresche, wo die Tele-Linse nicht zum Tragen kommt: im Vlog-Modus, wenn man die Kamera direkt zum Filmen im Selfie-Modus einsetzt.
Vom verbesserten Dynamikumfang hätte ich mir gerne auch mehr im HDR-Bereich gewünscht: Immerhin werden Videos in HDR10 auch auf einem iPhone in HDR dargestellt. Mein Wunsch wäre, eine native, zusätzliche Unterstützung von Dolby Vision, um auch auf TV-Geräten eine breite HDR-Unterstützung zu bekommen. Hier würde DJI auch mehr Personen ansprechen, die ihr Videomaterial nicht nachbearbeiten. Klar, die Möglichkeiten mit D-Log sind cool, für alltägliche Aufnahmen ist das aber weniger ein Thema. Übrigens unterstützt nur die Weitwinkellinse D-Log 2 mit erweitertem Dynamikumfang; bei der Tele-Linse müsst ihr euch mit der regulären D-Log-Unterstützung zufriedengeben.
Randnotizen: Was ich sonst noch hervorheben will
Auch die Osmo Pocket 4P verfügt über einen üppigen, integrierten Speicherplatz. Wer keine microSD-Karte zur Hand hat, kann für knapp 4 Stunden Videomaterial (je nach Qualität) auf die 103 GB Speicher zurückgreifen. Die Daten können per App oder wahlweise per USB-C-Verbindung übertragen werden – soweit entspricht das dem Bekannten von der Osmo Pocket 4.
Eine Pocket-4P-exklusive Funktion, die leicht übersehen werden kann, ist die automatische Medienübertragung in Verbindung mit iOS-Geräten. Das ist wirklich eine super Funktion, die ich mir auch von anderen externen Geräten wünschen würde. Einmal eingerichtet (es gibt einige Einstellungsmöglichkeiten, was und wie übertragen werden soll), werden neue Inhalte direkt nach dem Ausschalten der Kamera automatisch ans Smartphone übertragen. Ihr müsst also nicht mehr in die passende App wechseln; die Pocket kann ihr Gimbal bereits bequem zusammenfalten und muss sich lediglich in der Nähe befinden. Ihr könnt nach kurzer Übertragungszeit über die Medien in der Smartphone-Galerie verfügen, als hättet ihr sie direkt mit dem Smartphone aufgenommen. Das hätte ich wirklich gerne auch bei der Pocket 4 gesehen und würde es mir ebenso von Drohnen oder gar Systemkameras wünschen.

Die Osmo Pocket 4P verfügt anders als die Pocket 4 nicht über einen Gimbal-Schutz. Im ausgeschalteten Zustand ist dieser zwar recht starr, aber wenn man rüttelt, macht das dennoch leichte Geräusche. Auch klappen die Linsen aufgrund ihrer Dimensionen nicht nach innen und bleiben somit ungeschützt. Da die Kamera über wechselbare, magnetische Linsenaufsätze verfügt (eine coole Möglichkeit!) hätte ich mir da gerne auch eine optionale Schutzabdeckung der Objektive gewünscht. Ein Case ist also Pflicht – es liegen jedoch dieselben netten Beutel und Taschen bei wie bei der Pocket 4.
Schade: Auch hier ist der Gimbal nicht in alle Richtungen voll drehbar. Es gibt keine native Möglichkeit für Hochkant-Aufnahmen, sondern das Bild wird gecroppt, anstatt die Linsen zu drehen. Das integrierte Mikrofon ist ebenfalls etwas schwach auf der Brust, das gleicht DJI jedoch durch die Integration der hochwertigen DJI-Mic-Serie aus.
Und zuletzt: Wie bei der Pocket 4 wird auch die Pocket 4P während Videoaufnahmen und beim Aufladen recht warm.

Fazit – Unterm Strich
Die Osmo Pocket 4P bietet weit mehr als nur ein zusätzliches Objektiv. Dieses bietet nicht nur verbesserte Zoom-Möglichkeiten, sondern eine Optik, die einen ansprechenden Look mit schönem Bokeh erzeugt. Für mich bietet sie mit diesen Möglichkeiten das rundere Gesamtpaket mit der besseren Bildqualität. Schön wäre es gewesen, wenn dieses featuretechnisch auf Augenhöhe mit dem Weitwinkel-Objektiv läge, denn ich denke, die meisten werden das Teleobjektiv für viele Shots bevorzugen – so ist derzeit die coolere Linse leider etwas im Hintertreffen.
Ein paar Feinheiten hätte ich mir noch gewünscht, etwa eine Dolby-Vision-Unterstützung. Denn mit ihrem guten Automatikmodus richtet man sich längst nicht nur an professionelle Nutzer, die nachbearbeiten. Aufgrund ihres Formfaktors und durch die zwei Optiken kann sie in diversen Situationen für viele eine DSLM oder das Smartphone ersetzen. Viele Smartphones stellt die Osmo Pocket 4P in puncto Bildqualität, Stabilisierung, Handling sowie die Tracking-Funktionen durchaus in den Schatten.

Die verschiedenen Tracking-Funktionen sind ausgeklügelt und gerne gesehen, aber wem es lediglich um diese geht, der kann beruhigt zur Osmo Pocket 4 greifen. Legt man die Preise der Standard-Combos zugrunde, liegen zwischen der Osmo Pocket 4 (499 Euro) und der Osmo Pocket 4P (599 Euro) gerade einmal 100 Euro – die sind in meinen Augen wirklich gut investiert, wenn die größtmögliche Portabilität nicht im alleinigen Fokus steht.
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