Die EU will für mehr Transparenz bei KI-generierten Inhalten sorgen. Deshalb gilt seit dem 2. August 2026 eine neue Kennzeichnungspflicht. Das KI-Unternehmen Anthropic hat kürzlich ein neues Wasserzeichen eingeführt, um den Vorgaben gerecht zu werden. Es ist unsichtbar, soll aber dabei helfen, KI-generierte Texte erkennbar zu machen. Dadurch könnte künftig auch das Schummeln bei Hausaufgaben oder Prüfungen leichter aufgedeckt werden. In einem Blogbeitrag hat das Unternehmen jetzt einige grundlegende Fragen zum neuen Wasserzeichen beantwortet.
Wie funktioniert das neue Wasserzeichen?
Auf Reddit bringen viele Nutzer:innen ihren Frust über das neue Wasserzeichen zum Ausdruck. Ein User schreibt beispielsweise, das Wasserzeichen würde Student:innen, die eine Schreibblockade haben oder einen Text neu ordnen lassen, mit einem „digitalen Tattoo auf ihrer Stirn” markieren. Ein anderer meint, das Wasserzeichen könnte dazu führen, dass Anthropic die Arbeit für sich beansprucht. Business Insider berichtet zudem, dass auf X „Dutzende von Nutzer:innen” angegeben hätten, ihr Claude-Abo kündigen zu wollen. Um grundlegende Fragen zur Wasserzeichen-Kennzeichnung zu beantworten, hat Anthropic jetzt einen zusätzlichen Blogbeitrag veröffentlicht.
Laut Anthropic werde für die Kennzeichnung der SynthID-Ansatz verwendet, den Google Deepmind entwickelt hat. Die Methode unterscheide sich von KI-Detektoren wie Pangram, die nach verräterischen Mustern im Text suchen, um den Einsatz von KI aufzudecken. Bei Wörtern mit mehreren gleichwertigen Optionen treffe Claude eine bestimmte Wahl. Dadurch entstehe im Text ein unsichtbares Muster. Dieses lasse sich mit einem „Schlüssel“ nachträglich überprüfen, um festzustellen, ob der Text von Claude stammt. „Wasserzeichen haben keinen Einfluss auf die Qualität der von Claude erzeugten Ergebnisse”, so das Unternehmen. Für Leser:innen bleibe das Wasserzeichen unsichtbar.
Kennzeichnungspflicht gilt nicht nur für Claude
Viele Nutzer:innen fragen sich, ob sich das Wasserzeichen aus einem Claude-Text entfernen lässt. Anthropic erklärt hierzu, dass eine leichte Überarbeitung es wahrscheinlich nicht vollständig entfernen würde. Das wäre nur durch einen vollständigen Austausch jedes Wortes möglich – in diesem Fall sei allerdings fraglich, ob sich der Text dann noch als KI-generiert bezeichnen ließe. Bei Texten, die Claude nur Korrektur gelesen oder bearbeitet hat, hänge die Markierung von der jeweiligen Länge und dem Bearbeitungsumfang ab. Code soll laut Unternehmensangaben weniger stark markiert werden. Grund dafür sei die Tatsache, dass die KI hier weniger Optionen zur Auswahl habe als bei anderen Textformen.
Anthropic betont, dass das Wasserzeichen keine praktischen Auswirkungen auf den Text habe. Ihm werde nichts hinzugefügt und es gebe keine versteckten Zeichen. Es gehe lediglich darum, den EU-Vorgaben zu entsprechen. Anthropic weist zudem darauf hin, dass die Kennzeichnungspflicht nicht nur für Claude gilt. Im Blogbeitrag heißt es: „Anthropic hat zusammen mit mehreren anderen großen Anbietern von KI-Modellen und insgesamt rund 190 Unterzeichnern im Juli 2026 den EU-Verhaltenskodex zur Transparenz von KI-generierten Inhalten unterzeichnet. Dieser verpflichtet Anbieter von KI-Systemen dazu, Methoden zur ‚Kennzeichnung‘ von KI-generierten Texten zu verwenden.“





