Strom aus Gezeitenströmungen gilt als eine der zuverlässigsten erneuerbaren Energiequellen. Bisher scheiterte die Technologie aber oft an hohen Kosten und einer aufwendigen Infrastruktur. Das US-Start-up Sitkana will das mit modularen Mini-Turbinen, die im Schwarm arbeiten, ändern. Im Atlantik finden bereits Tests unter realen Bedingungen statt.
Wie aus einer Pressemeldung hervorgeht, geht das Unternehmen Sitkana aus Alaska den nächsten Schritt bei der Erzeugung von Gezeitenenergie. Gemeinsam mit dem Testnetzwerk Marine Renewable Energy Collaborative erprobt das Clean-Tech-Start-up an der Bourne Tidal Test Site im Cape Cod Canal im US-Bundesstaat Massachusetts ein neues Prototyp-System.
Das Prinzip: Statt einzelner riesiger Anlagen setzt die Firma auf kleinere, modulare Mini-Gezeitenturbinen. Der Vorteil sei, dass ein flexibler Zusammenschluss wie bei Bausteinen möglich ist. Laut offiziellen Angaben benötigt diese Bauweise für die Skalierung weder eine großflächige Infrastruktur noch spezialisierte Installationsgeräte.
Warum Mini-Gezeitenturbinen günstiger sind als Großanlagen
Im laufenden Testbetrieb unter realen Meeresbedingungen liegt der Fokus unter anderem auf der Sammlung von präzisen Daten zur tatsächlichen Stromerzeugung. Gleichzeitig untersuchen Fachleute die Zuverlässigkeit, die Haltbarkeit der Materialien und die ökologischen Auswirkungen auf die maritime Umwelt. Lance McMullan, Gründer und CEO des Entwicklerunternehmens Sitkana, dazu:
Unser Ziel ist es, den Bau, den Einsatz und die Wartung von Meeresenergieanlagen in abgelegenen Gebieten zu vereinfachen. BTTS ist einer der wenigen Orte, an denen wir unser gesamtes System an einem einzigen Standort testen können. Über die Messung der Leistungsfähigkeit hinaus können wir den Betrieb in einer realen Meeresumgebung beobachten und die Wechselwirkungen mit der Tierwelt besser verstehen. Diese Tests sind entscheidend für unseren Weg hin zu kommerziellen Einsätzen.
Neben dem eigentlichen Turbinentest wurde laut Meldung auch der Teststandort selbst technisch aufgerüstet. Das Areal am Cape Cod Canal bietet die Voraussetzungen, um in Zukunft auch netzgekoppelte Anlagen unter realistischen Bedingungen zu prüfen. Damit soll es künftig einfacher sein, die Meeresenergie direkt in bestehende Elektrizitätsnetze einzuspeisen.
Bald auch Gezeitenturbinen in der Elbe und Weser?
Trotz der vielversprechenden Ansätze stehen der Technologie noch technische und ökologische Herausforderungen bevor. Experten bewerten erst noch die Leistung, Zuverlässigkeit und Haltbarkeit der Anlage in starken Strömungen unter realen Bedingungen. Zudem soll der Testbetrieb dazu dienen, die Wechselwirkungen der Turbinen mit der maritimen Tierwelt besser zu verstehen.
Grundsätzlich lässt sich das modulare Konzept auch auf europäische Gewässer übertragen. In Deutschland ist das Potenzial für klassische Gezeitenkraftwerke aufgrund der flachen Topografie aber begrenzt.
Doch modulare Strömungsturbinen könnten in engen Fahrwassern oder Flussmündungen wie an der Elbe und Weser theoretisch Anwendung finden. Die Entwicklung zeigt, dass die dezentrale Meeresenergie ein Baustein für einen verlässlichen und grundlastfähigen Energiemix sein kann.
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