FlightAware reagiert auf einen Shitstorm mit einer Klage: Die Wettplatform Kalshi soll gerichtlich davon abgehalten werden, ihre Wetten auf Flugverspätungen und -ausfälle anhand Daten des Flugdatensammlers FlightAware abzurechnen. Das Wettangebot hat heftige Kritik hervorgerufen, weil es finanzielle Anreize dafür schafft, den öffentlichen Flugbetrieb zu stören um Verspätungen oder Flugausfälle herbeizuführen, oder aber die Missachtung von Sicherheitsmaßnahmen fördert, um Flugverspätungen zu vermeiden – je nach dem, worauf gewettet wurde.
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Weil Kalshi Wettauswertungen davon abhängig macht, welche Angaben FlightAware veröffentlicht, und das mit Name und Logo des Flugdatendienstes bewirbt, ist auch FlightAware ins Kreuzfeuer der Kritik geraten. Dabei gibt das Unternehmen an, ungewollt zum Handkuss gekommen sein: Es habe von den Wetten und dem Missbrauch seiner Datenbank, seines Namens und seines Logos nichts gewusst.
Nachdem Kalshi eine Unterlassungsaufforderung in den Wind geschlagen hat, zieht FlightAware vor Gericht. Die am Montag am US-Bundesbezirksgericht für den Süden New Yorks eingereichte Klage stellt das Vorgehen Kalshis als mehrfachen Verstoß gegen die Nutzungsbedingungen FlightAwares sowie gegen mehrere geltende Gesetze dar. Zudem verböten einige relevante Datenquellen diese Form der Auswertung; gleichzeitig könne Kalshi nach eigenen Angaben für seine Wettabrechnung auf Behördendaten zugreifen und sei gar nicht auf FlightAware angewiesen.
Vorgebracht werden Vertragsverletzung, unlauterer Wettbewerb, Rufschädigung, ungerechtfertigte Bereicherung und Markenrechtsverletzung. Die Klage beantragt ein Geschworenenverfahren und fordert Unterlassung, Schadenersatz, Strafschadenersatz, Abschöpfung der Bereicherung sowie Zinsen und Spesenersatz. Heise online hat die beklagte Wettbörse zu einer Stellungnahme eingeladen; aus FlightAwares Klageschrift lässt sich schließen, dass Kalshi die Nutzung der fremden Daten und Marken als Fair Use und damit als zulässig erachtet.
„Absolutely insane”
Laut Klageschrift hat Kalshi die ersten Wettangebote für Verspätungen an drei bestimmten US-Flughäfen bereits 2022 angemeldet. Mitte Juli 2026 hat die Wettbörse die Registrierung von Wetten auf Flugverspätungen auf alle US-Flughäfen ausgeweitet, was medialen Widerhall gefunden hat. Erst zu dem Zeitpunkt will FlightAware davon Wind bekommen haben.
„Dass Kalshi Leuten erlaubt, auf Flugverspätungen zu wetten, ist verrückt”, reagierte der Chef des Luftfahrtbranchenverbands Airlines for America, Chris Sununu in einem Fernsehinterview: „Absolutely insane.” Die Sicherheit der Luftfahrt sollte nie Grundlage für Wetten sein, „und das kann komplett manipuliert werden. Ich habe schon immer gesagt, dass (bei) Kalshi und Polymarket alles Betrug ist. Greifen Sie das nicht an. Es braucht nicht viel, damit ein Flug storniert wird.”
Das Gerichtsverfahren heißt FlightAware v Kalshi et al und trägt das Az. 1:26-cv-06824.
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(ds)






