Laut Angaben spanischer Behörden hatten vergangene Woche rund 72.000 Menschen von Marokko aus die Grenze zur spanischen Exklave Ceuta überwunden. Dabei sollen 80 Menschen ums Leben gekommen sein. Menschenrechtsgruppen gehen von einer höheren Zahl aus. Die meisten Migrant:innen haben die Stadt inzwischen wieder verlassen. Offen bleibt die Frage, wie es dazu kommen konnte. Die EU-Digitalkommissarin Henna Virkkunen gab sozialen Medien wie Tiktok, Facebook und Instagram, hinter denen die Tech-Unternehmen Meta und Bytedance stehen, indirekt eine Mitschuld an der Krise.
Es brauche mehr Faktenchecks
Wie mehrere Medien berichten, sollen Falschinformationen in den sozialen Netzwerken zu dem Andrang in Ceuta beigetragen haben. Zahlreiche Migrant:innen gaben an, dass Videos und Nachrichten suggeriert hätten, die sonst streng gesicherte Grenze sei plötzlich offen. Auch Meldungen über bereitstehende Unterkünfte und Weiterreisemöglichkeiten seien im Umlauf gewesen. Das geht unter anderem aus Berichten des Spiegels und der Tagesschau hervor.
Nach einem Treffen mit Vertreter:innen der beiden verantwortlichen Tech-Konzerne erklärte Virkkunen, die Unternehmen hätten nicht genug gegen Falschinformationen unternommen, die im Zusammenhang mit Ceuta im Umlauf waren. In einem Post auf X schrieb sie, dass dringend in die Überwachung und Zusammenarbeit mit Faktenprüfer:innen intensiviert werden müsse. In Krisensituationen seien soziale Plattformen in der Pflicht, schnell zu handeln, „um die Integrität des digitalen Raums zu wahren“.
Fake News sind weit verbreitet
„Die Außengrenzen der EU liegen in unserer gemeinsamen Verantwortung, und die Migration erfordert eine einheitliche europäische Antwort“, sagte Jim O’Callaghan, irischer Minister für Justiz, Inneres und Migration, nach einer Sondersitzung der Mitgliedstaaten. Irland hat derzeit den EU-Ratsvorsitz inne. Um künftig besser vorbereitet zu sein, wolle die EU beliebte soziale Netzwerke jetzt aufmerksamer beobachten. Auch die Entwicklung eines Frühwarnsystems könnte demnach sinnvoll sein, um das gemeinsame Lagebild in Zukunft zu verbessern.
Fake News sind in den sozialen Medien schon lange ein Problem. Sie verbreiten sich rasend schnell und KI-generierte Inhalte machen es zunehmend schwerer, Täuschungen zu erkennen. Laut einer Bitkom-Umfrage sind schon 91 Prozent der Deutschen auf bewusst verbreitete, falsche Informationen gestoßen. 63 Prozent empfinden es als schwierig, die Verlässlichkeit von Nachrichten einzuschätzen. Viele fordern deshalb härtere Konsequenzen. So meinen 87 Prozent von denjenigen, die Fake News begegnen, dass die wissentliche Verbreitung bestraft werden sollte. 84 Prozent finden, dass schon die Erstellung unter Strafe stehen sollte.




