Nutzer konnten für einen Zeitraum von ungefähr 40 Minuten am Montag den populären Messengerdienst Telegram nicht mehr aus Apples App Store herunterladen. Gegenüber der Nachrichtenagentur Reuters sagte ein Apple-Sprecher, das Review-Team des Konzerns habe entsprechendes Material bei einem Nutzer gefunden. Nach der Information des Entwicklers – also Telegram – habe dieser den CSAM-Inhalt sofort entfernt und den Nutzer gesperrt. Apple habe die App dann wieder freigegeben. Grund für den Vorfall war offenbar, so Telegram-Chef Pavel Durov inzwischen, ein Erpressungsversuch.
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Sweeney schaltet sich ein
Telegram hat rund eine Milliarde Nutzer weltweit. Laut eigenen Angaben hat man dort eine „Nulltoleranzhaltung“ gegenüber CSAM und blockiere daher pro Jahr fast 338.000 Gruppen und Kanäle. Gegenüber Reuters wollte sich Apple nicht weiter zu dem Verfahren äußern. Telegram kommentierte auf X sarkastisch, Apple werde doch sicherlich alle Apps in Zukunft derart behandeln, darunter auch seine eigenen.
Epic-Games-Chef Tim Sweeney, der sich mit Apple seit Langem aufgrund der App-Store-Regeln im Rechtsstreit befindet, sagte, Apple habe nicht mitgeteilt, wie eine Kommunikations-App unter diesem Löschstandard arbeiten solle – darunter auch der Apple-eigene Dienst iMessage. Apple habe eine App für eine Milliarde Nutzer gesperrt, weil ein Telegram-User etwas Furchtbares und Illegales gepostet habe.
Durov: Gruppen werden erpresst
In einer offiziellen Stellungnahme sagte Telegram-Chef Pavel Durov, ein Nutzer habe illegale Pornografie in einem öffentlichen Chat platziert. Es handele sich um einen „Takedown-Erpresser“, der von Gruppen-Besitzern ein Lösegeld verlange, damit er sie nicht angreife. Dabei kämen automatisierte Accounts zum Einsatz, die illegale Inhalte posteten, um sie dann direkt bei Apple zu melden, was dann zu einer Löschung „legitimer Gemeinschaften“ führe. Wie dies zu einer Löschung der App durch Apple führen konnte, sagte Durov nicht. Es sei aber klar, dass die Erpresser nun einen Weg gefunden hätten, Apple so zu manipulieren, dass der Konzern überreagieren würde. In diesem Fall sei Telegram nicht kontaktiert worden, was ein „systemisches Risiko“ darstelle.
Laut Durov ging der Erpresser mit einem Trick vor: Er integrierte ein illegales KI-Bild in eine alte Nachricht, die dazu editiert wurde. Da es sich um eine alte Nachricht handelte, sei sie „vor den Gruppenmitgliedern quasi versteckt“ geblieben, sodass diese sie nicht gemeldet hätten. Telegram habe „umfangreiche Erfahrungen“ mit solchen Tricks durch „koordinierte Meldebanden“.
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(bsc)






