BKW-Speicher Jackery Solarvault 3 Pro im Test: 4 MPPTs & Home Assistant lokal


Jackery bietet mit dem Solarvault 3 einen relativ günstigen Speicher für ein Balkonkraftwerk. Ein Highlight ist die lokale Integration in Home Assistant.

Jackery präsentiert mit dem Solarvault 3 eine All-in-One-Speicherlösung mitsamt integriertem Wechselrichter. Vier MPPTs mit je 1000 W Leistung ermöglichen den direkten Anschluss von bis zu vier Solarmodulen. Die Grundeinheit speichert 2,52 kWh, lässt sich aber durch Zusatzakkus auf bis zu 15,12 kWh erweitern. Per MQTT bindet man das System lokal in Home Assistant ein – ganz ohne Cloud-Zwang, inklusive angebundenem Smart Meter. Ist bereits ein Shelly Pro 3EM im Einsatz, erübrigt sich dieser Schritt, denn Home Assistant unterstützt ihn nativ. Bei herstellereigenen, inkompatiblen Smart Metern hingegen erweist sich die Integration als cleverer Workaround. Was die Lösung sonst noch kann, verrät unser ausführlicher Testbericht.

Design, Verarbeitung, Anschlüsse

Schlicht und modern zeigt sich das Design des Solarvault 3 Pro. Kompakte Maße von 48,5 × 23,5 × 28,2 cm und ein Gewicht von 25,5 kg kennzeichnen das Gehäuse. Auf der Rückseite befinden sich Kühlrippen zur passiven Wärmeabfuhr – dadurch wirkt das Gesamtsystem aufgeräumt und sauber.

Ein echter Blickfang ist das hochwertige LCD-Display. Batterie-Statusinformationen liefert es auf Knopfdruck; per kurzem Tastendruck wird es aktiviert. Je nach Voreinstellung schaltet es nach 2 Minuten oder 2 Stunden automatisch in den Standby-Modus, um Energie zu sparen.

Jackery Solarvault 3 Pro: Auch ein Ethernetport steht zur Verfügung.

Rechts am Gerät sitzen der AC-Netzanschluss und die Off-Grid-Steckdose (Notstromsteckdose). Diese lässt sich nicht nur über die App ein- und ausschalten, sondern auch über die am Gehäuse angebrachten Tasten. Dafür drückt man die IoT- und die Powertaste etwa drei Sekunden. Links befinden sich die gut zugänglichen MPPT-Eingänge für Solarmodule. Praktisch gelöst hat Jackery die Anordnung der zwei Eingänge pro MPPT – schräg versetzt untereinander statt nebeneinander, was die Erreichbarkeit jederzeit erleichtert. Alle Anschlüsse liegen direkt offen, was den Plug-and-play-Charakter unterstreicht. Über Bluetooth und App erfolgt die Kopplung; per WLAN oder Ethernet (RJ45) an der rechten Seite wird die Verbindung zum Router hergestellt.

Jackery Solarvault 3 Pro: Im Off-Grid-Modus liefert die Notstromsteckdose bis zu 1200 W.

Als Batterytyp verwendet Jackery die branchenübliche LFP-Technologie (Lithium-Eisenphosphat / LiFePO4). Eine hohe thermische Stabilität und chemische Sicherheit zeichnen diese Zellen aus – Überhitzungs-, Brand- oder Explosionsrisiko sind minimal. Eine kontinuierliche Echtzeit-Überwachung der Netzanschluss-Temperatur warnt sofort bei ersten Anzeichen von Überhitzung.

Schutz vor schwerer Überhitzung oder Kurzschluss bietet ein eingebautes Aerosol-Löschsystem, ähnlich wie bei Zendure. Gasförmig wird das Löschmittel freigesetzt; chemisch unterdrückt es Flammen und kühlt, ohne schädliche Rückstände zu hinterlassen. Jede Batterie verfügt zudem über ein Sicherheitsventil zur kontrollierten Druckentlastung. Im Defektfall lässt dieses Gase sicher entweichen – Bersten des Gehäuses wird so minimiert.

Eine physische Steckdose befindet sich an der rechten Seite der Solarvault-Einheit. Bis zu 2300 W liefert dieser AC-Port im Bypass-Modus (bei Netzanschluss); im Inselbetrieb ohne Netz sind es bis zu 1200 W. Direkte Stromversorgung angeschlossener Geräte ist darüber möglich. Bei plötzlichem Stromausfall schaltet das System innerhalb von 20 ms automatisch auf Batteriebetrieb um – eine zuverlässige Backup-Lösung für Haushaltsanwendungen.

Jackery Solarvault 3 Pro: 4 MPPTs, 800 W Einspeisleistung, 1200 W Notstromsteckdose

Installation, Einrichtung, Aufstellort

Die Installation geht wie gewohnt schnell vonstatten: PV-Module anschließen, AC-Stecker mit dem Stromnetz verbinden und die Anlage per App koppeln.

Die assistentengeführte Installation mit der Jackery-App ist inklusive der Einbindung des von uns genutzten Smart Meters Shelly Pro 3EM nach wenigen Minuten abgeschlossen. Anschließend wird in der App der Eigenverbrauchsmodus aktiviert; die dynamische Einspeisung läuft dann automatisch (dazu später mehr).

Im KI-Modus stehen verschiedene Optionen zur Verfügung. Diese werden in der App gut erklärt.

Wer bereits ein intelligentes Messsystem (iMsys) installiert hat, kann statt eines festen einen dynamischen Stromtarif nutzen, bei dem sich der Preis für die kWh alle 15 Minuten ändert. Die App steuert mit den Optionen „KI-Smart-Modus“ oder „Tarifmodus“ das Laden des Solarvault 3 Pro: In sonnenarmen Zeiten lädt sie den Speicher zu günstigen Tarifen, bei steigenden Strompreisen veranlasst sie die Einspeisung aus dem vollen Akku. Wirtschaftlich wird das jedoch erst, wenn die Spanne zwischen günstigstem und höchstem kWh-Preis die Umwandlungsverluste (AC→DC→AC) von etwa 15 Prozent deutlich übersteigt.

Diese Betriebsart kommt in Deutschland allerdings lediglich für einige infrage: Laut Bundesnetzagentur liegt die Einbauquote intelligenter Messsysteme bei nur 5,5 %. Für knapp 95 % aller Anwender bleiben daher die dynamischen Tarif-Optionen der Jackery-App („KI-Smart-Modus“, „Tarifmodus“) bedeutungslos. Zudem erfordert der KI-Modus das Teilen von Energiesystemdaten mit der Jackery-Cloud – nicht jedermanns Sache. Steht kein Smart Meter und die daran gekoppelte dynamische Einspeisung parat, können Anwender die Einspeiseleistung über Zeitpläne steuern.

Der Tarifmodus richtet sich an Nutzer eines dynamischen Stromtarifs. Bei einem niedrigen Tarif wird der Akku auch über das Netz geladen.

Ansonsten präsentiert sich die App übersichtlich und bietet neben Steuerungsmöglichkeiten ansehnliche Statistiken zu Solarproduktion und Einspeiseleistung. Start und Datenbereitstellung erfolgen zügig. Im Test kam es jedoch mehrfach zu Verbindungsabbrüchen zwischen App und Anlage – das Gerät selbst hielt jederzeit eine stabile WLAN-Verbindung. Bei schwacher WLAN-Abdeckung am Aufstellort hilft der integrierte Ethernetanschluss aus. Leider ist die App nur für Smartphones optimiert, nicht für Tablets; auf größeren Bildschirmen bleibt die Darstellungsfläche ungenutzt.

Wie bei allen BKW-Speichern üblich, ist auch der Jackery gegen das Eindringen von Wasser geschützt – das Gehäuse ist nach IP65 zertifiziert. Dennoch empfiehlt sich ein wettergeschützter Aufstellort ohne direkte Sonneneinstrahlung, da Überhitzung sonst die Leistung drosseln oder den Betrieb ganz stoppen könnte.

Jackery Solarvault 3 Pro: Per MQTT wird der Jackery Solarvault 3 Pro in Home Assistant eingebunden.

Lokale Ansteuerung mit Home Assistant

Wer seinen BKW-Speicher ohne Cloud betreiben möchte, findet bei Jackery eine erfreuliche Option: Das MQTT-Protokoll macht diese Betriebsart möglich. Sämtliche Betriebsdaten laufen anschließend über einen MQTT-Broker (etwa Mosquitto oder EMQX) in Home Assistant. In Kombination mit der offiziellen Integration stehen alle Entitäten – inklusive des gekoppelten Smart Meters – zur Verfügung. Damit lässt sich das Energy Dashboard befüllen und ein Überblick über tägliche Solarproduktion und Stromverwendung gewinnen.

Effizienz und Nulleinspeisung

Die Round-Trip-Effizienz bei einer Leistungsabgabe respektive Aufnahme von 800 W liegt im Test bei durchschnittlich knapp 85 Prozent. Bei 200 W sinkt sie auf etwa 81 Prozent. Hier verhindert der relativ hohe Standby-Verbrauch von knapp 30 W ein besseres Ergebnis.

Die Nulleinspeisung hat im Test zufriedenstellend funktioniert. Der Jackery Solarvault 3 Pro trifft die Null-Linie – bei der weder Strom bezogen noch ins Netz abfließt – wie andere Speicher ebenfalls nicht exakt, sondern bewegt sich meist im Bereich von -5 bis +5 W, mit einzelnen Ausreißern bis zu 12 W. Die Einschwingdauer auf die Null-Linie bei Laständerungen beträgt zwischen fünf und sieben Sekunden. Diese Werte sind zwar nicht Spitzenklasse, aber dennoch zufriedenstellend.

Die Nulleinspeisung funktioniert im Test mit dem Solarvault 3 Pro zufriedenstellend. Bei Lastwechseln dauert es zwischen fünf und sieben Sekunden, bis das System eingeschwungen ist.

Preis

Offiziell kostet der BKW-Speicher Jackery Solarvault 3 Pro 999 Euro. Doch bereits kurz nach der Vorstellung im Frühjahr fiel der Preis auf 699 Euro. Aktuell gibt es ihn bei Ebay inklusive Versand zum Tiefstpreis für 554 Euro. Mit 220 Euro pro kWh gehört er zu den günstigsten BKW-Speichern mit vier MPPTs. Wer dagegen nur zwei Module versorgen will, findet im Zendure Solarflow 800 Plus (Testbericht) eine kostengünstigere Alternative – dieser kommt auf einen Preis pro kWh von 182 Euro.

Alternativ gibt es derzeit einige ordentliche Angebote im Onlineshop von Yuma. Hier sind preislich besonders die Bundles mit Jackery-Speicher interessant. Für 999 Euro gibt es etwa das Set mit Solarvault 3 Pro mit 2,5 kWh und 2000 Wp.

Fazit

Im Test hinterlässt der Jackery Solarvault 3 Pro einen soliden Eindruck. Seine Effizienz liegt auf Konkurrenzniveau, und die dynamische Einspeisung per Smart Meter arbeitet fehlerfrei. Besonders hervorzuheben ist die einfache Home-Assistant-Anbindung, die eine parallele App-Nutzung ermöglicht – bei Zendure hingegen muss man sich zwischen beiden entscheiden.

Wer eine Speicherlösung für vier Solarmodule sucht, liegt mit diesem Gerät goldrichtig. Zum aktuellen Preis von 554 Euro (220 €/kWh) zählt es zu den günstigsten BKW-Speichern mit vier MPPTs.

Kritik gibt es dennoch: Die App kämpft gelegentlich mit Verbindungsabbrüchen, während der Speicher selbst per WLAN oder Ethernet stabil im Netz bleibt. Die Off-Grid-Steckdose fällt mit 1200 W jedoch etwas knapp aus.



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