Schlanker, schneller, mehr Ausdauer: Die Galaxy Watch Ultra 2 von Samsung will wieder etwas Schwung in die Welt von Wear OS bringen. Ob das gelingt?
Fast zwei Jahre ist es her, dass Samsung mit der Galaxy Watch Ultra erstmals eine robustere Variante seiner Smartwatch präsentiert hat. Vergangenes Jahr gab es nur eine sanfte Modellpflege – dieses Jahr folgt ein größeres Upgrade: schnellere CPU, mehr Akku, schlankeres Gehäuse. Was sich alles getan hat und wie die Uhr in der Praxis abschneidet, zeigt dieser Test.
Design
Samsung bleibt sich beim Design weitgehend treu: Ein viereckiges Gehäuse mit stark abgerundeten Ecken rahmt ein rundes Zifferblatt – das sogenannte „Cushion Design“. Die Formensprache erinnert an die Uhrenästhetik des Space Age der 1960er und 70er Jahre; bekannte Vertreter sind etwa die Omega Seamaster oder die Seiko 6139 „Pogue“. Damit setzt Samsung auf ein eigenständiges Design gegenüber der Apple Watch Ultra, erreicht aber nicht die Eleganz einer Garmin Fenix 8. Letzten Endes bleibt das aber Geschmacksache.
Das größte Update gegenüber dem Vorgänger ist das schlankere Gehäuse: Die Dicke misst jetzt 10,7 mm – knapp 1,4 mm weniger als beim ersten Modell. Im Alltag trägt sich die Ultra 2 dadurch deutlich angenehmer und wirkt weniger klobig, auch wenn sie auf den ersten Blick kaum vom Vorgänger zu unterscheiden ist. Mit Band bringt sie rund 85 g auf die Waage, das Gehäuse allein etwa 62 g. Mit einem Durchmesser von über 47 mm gehört sie schon zu den größeren Uhren.
Verarbeitung und Haptik sind entsprechend hochwertig: Gehäuse aus Titan, Frontscheibe aus Saphirglas, Rückseite aus Keramik. Die drei Tasten an der rechten Seite sind geblieben: Home oben, Zurück unten und dazwischen die orangefarbene Quick-Taste, die sich frei belegen lässt.
Das Armband wurde ebenfalls überarbeitet: Es ist schlanker, flexibler und verzichtet auf die Metallschließe des Vorgängers – stattdessen gibt es zwei weiche Gummischlaufen. Der Bandwechsel geht dank Samsungs Dynamic-Lug-System blitzschnell.
Robust ist die Uhr selbstredend: IP69K, Wasserdichtigkeit bis 10 ATM, EN13319-Zertifizierung fürs Gerätetauchen bis 40 Meter und MIL-STD-810H für Erschütterungen. Erhältlich ist sie in Titanium Silver und Titanium Gray mit Armbändern in Dunkelgrau, Dunkelgrün, Hellblau, Beige und Orange.
Samsung Galaxy Watch Ultra 2: Bilder aus dem Test
Display
Wie beim Vorgänger misst das OLED-Display 1,5 Zoll in der Diagonale. Für ausreichend Schutz sorgt Saphirglas. Die Auflösung von 498 × 498 Pixeln ist für eine Smartwatch bemerkenswert hoch. Noch beeindruckender: Die Anzeige ist deutlich heller geworden – die Kollegen der c’t maßen über 2400 cd/m², der Hersteller verspricht punktuell sogar bis zu 5000 cd/m².
Im Test war das Display bei jedem Wetter gut ablesbar – selbst in praller Sonne. Die automatische Helligkeitsanpassung regelt zuverlässig auf den richtigen Wert, ohne zu blenden. Wird es richtig dunkel, schaltet die Uhr auf rote Darstellung um – das ist augenschonend und sieht nach Militär-Gadget aus.
Ausstattung
Samsung hat beim Innenleben ordentlich aufgerüstet. Die Galaxy Watch Ultra 2 läuft jetzt mit dem Snapdragon Wear Elite von Qualcomm – dieses Mal kein Exynos-Chip aus eigener Fertigung. Das System wirkt insgesamt einen Hauch flüssiger als beim Vorgänger.
Konnektivität ist reichlich an Bord: Bluetooth 6.0, WLAN (2,4 und 5 GHz), Dual-Band-GPS sowie mobiles Netz per eSIM (LTE). Bezahlen geht per NFC mit Samsung Pay und Google Wallet. Der interne Speicher beträgt 64 GB – genug für Offline-Karten und Musik auf langen Touren. Der Arbeitsspeicher liegt bei 2 GB RAM.
Die Sensorausstattung ist üppig: Beschleunigungssensor, Lagesensor, Barometer, Umgebungslichtsensor, geomagnetischer Sensor (Kompass) sowie der Samsung Bio Active Sensor mit Herzfrequenz-, EKG- und BIA-Messung – dazu ein Infrarot-Temperatursensor zur Messung der Hauttemperatur. Gesundheitlich ebenfalls an Bord: Blutdruckmessung, Erkennung unregelmäßiger Herzrhythmen und Schlafapnoe-Erkennung. Für Telefonate sorgen Lautsprecher und Mikrofon.
Software & Bedienung
Die Galaxy Watch Ultra 2 läuft mit Wear OS 7 und Samsungs eigener Oberfläche One UI Watch 9. Samsung verspricht erstmals fünf Jahre Updates – sowohl vollständige Major-Upgrades als auch Sicherheits-Patches. Für eine Smartwatch ist das ein starkes Versprechen.
Dank Wear OS stehen zahlreiche Google-Dienste und Apps aus dem Play Store zur Verfügung – darunter echtes Google Maps, Google Wallet, Spotify, Gmail und Youtube Music. Zusätzlich steckt eine KI-Engine an Bord, die Modelle mit bis zu zwei Milliarden Parametern lokal ausführen kann – aktuell vor allem für Gesundheitsfeatures genutzt.
Zur Einrichtung und Verwaltung benötigt man zwei Apps: Die Ersteinrichtung läuft Schritt für Schritt über die Galaxy Wearable App auf dem Android-Smartphone. Gesundheitsdaten landen in der Samsung Health App. Beide Apps sind kostenlos im Play Store verfügbar.
Die Galaxy Watch Ultra 2 ist mit allen Android-Geräten ab Version 13 kompatibel – für den vollen Funktionsumfang benötigt man allerdings ein Samsung-Smartphone. Das betrifft EKG, Blutdrucküberwachung, Schlafapnoe-Erkennung und die Kamera-Fernsteuerung.
Die Bedienung der Galaxy Watch Ultra 2 bleibt vertraut: Touchscreen, zwei seitliche Tasten und ein orangefarbener Action Button. Standardmäßig startet er das Workout-Menü, lässt sich aber auch mit einem bestimmten Training, der Stoppuhr, Taschenlampe oder Wassersperre belegen. Andere Funktionen sind ihm leider nicht zuzuweisen.
Die obere Taste führt zum Startbildschirm, per Doppeltipp zur zuletzt genutzten App – oder einer frei wählbaren Funktion. Langes Drücken startet Bixby, wahlweise auch Google Assistant oder das Ausschaltmenü. Die untere Taste dient als Zurück-Button, kann aber auch die App-Übersicht öffnen.
Samsung Galaxy Watch Ultra 2: App-Screenshots
Training
Zum Sport ist die Galaxy Watch Ultra 2 gut geeignet. Im Vergleich mit einem Polar-Pulsgurt hinterlässt die Herzfrequenzmessung einen hervorragenden Eindruck. Auch bei Intervalltraining reagiert die Messung nur geringfügig verzögert. Sportprofile sind zahlreich vorhanden, wenn auch nicht ganz so üppig wie bei Sportuhren von Huawei, Garmin, Polar oder Amazfit. Im neuen Trailrun-Modus gibt es Informationen zu zurückgelegten Höhenmetern, Aufstiegsfortschritt und Steigung.
Die Smartwatch eignet sich nicht nur zum Schwimmen, sondern auch zum Tauchen – im Pool oder im offenen Gewässer bis zu einer Tiefe von 40 Metern. Sie erfüllt die Norm DIN EN 13319, die für Instrumente gilt, welche die Wassertiefe anhand des Umgebungsdrucks sowie unter bestimmten Bedingungen die Tauchzeit messen. Während des Tauchgangs zeigt die Uhr Tiefe, Abstiegsgeschwindigkeit, Tauchzeit und Wassertemperatur an. Laut Einschätzung des c’t-Kollegen Steffen Herget ist sie für Gerätetauchen aber nur bedingt geeignet.
Die automatische Trainingserkennung arbeitet schnell und zuverlässig – nervt im Alltag aber eher. Jeder Gang zur Bäckerei wird als Workout geloggt, eine kurze E-Scooter-Fahrt als Radtraining. Wer öfter zu Fuß unterwegs ist, schaltet das Feature besser ab.
Schlaf & Gesundheit
Die Schlafanalyse hinterlässt einen guten Eindruck – wobei man fairerweise sagen muss: Einzelne Schlafphasen lassen sich per Bewegungssensor und Vitalwerten nur indirekt erfassen und werden per Algorithmus berechnet. Samsung Health App schlüsselt Daten sauber in REM-, Tief- und Leichtschlaf auf. Die angegebene Schlafdauer passte aber gut zum subjektiven Empfinden, Wachphasen erkannte die Uhr meist zuverlässig. Zum Schlafen ist die Uhr allerdings aufgrund des etwas klobigen Gehäuses weniger komfortabel.
Samsung hat die Gesundheitsfunktionen spürbar erweitert. Der AGEs-Index misst Glykationsendprodukte direkt am Handgelenk – Verbindungen, die durch die Bindung von Zucker an Proteine entstehen und mit Diabetes sowie Herz-Kreislauf-Erkrankungen in Verbindung gebracht werden. Der Antioxidantien-Index basiert auf dem Karotinoid-Gehalt in der Haut und gibt indirekt Aufschluss über Obst- und Gemüsekonsum – allerdings beeinflussen auch Stress, Rauchen und andere Faktoren den Wert. Dazu liefert die Uhr Informationen zur Gefäßbelastung und berechnet einen Vitalwerteindex.
Einige Funktionen – darunter das 1-Kanal-EKG, die Blutdruckmessung und Schlafapnoe-Erkennung – funktionieren nur in Kombination mit Samsung-Smartphones. Das ist unserer Meinung nach eine unnötige Einschränkung – zumal Smartwatches anderer Hersteller solche Warnungen längst ohne Zusatz-App beherrschen.
Die Blutdruckmessung klingt praktisch, hat aber klare Grenzen: Vor der Nutzung muss die Uhr einmalig mit einem klassischen Oberarm-Blutdruckmessgerät kalibriert werden – und diese Kalibrierung sollte regelmäßig wiederholt werden. Medizinisch zertifiziert ist die Funktion nicht. Sie liefert Richtwerte und Trends, ersetzt aber keine ärztliche Diagnose.
Akku
Deutlich zugelegt hat der Akku: Dank neuer Silizium-Kohlenstoff-Anode wuchs die Kapazität von 590 auf 800 mAh. Mit Always-on-Display hält die Uhr problemlos drei Tage durch – 24 Stunden Dauerbetrieb kosten weniger als ein Drittel der Ladung. Auch beim Sport entlädt sie sich spürbar langsamer als der Vorgänger.
Wie lange der Akku reicht, hängt natürlich vom Nutzungsverhalten ab. Wer viel tippt, Apps nutzt, Google Maps zur Navigation verwendet oder intensive Workouts aufzeichnet, leert ihn schneller. Wer dagegen sparsam unterwegs ist und das Always-on-Display deaktiviert, kommt auch mal auf vier Tage – gut einen Tag mehr als beim Vorgänger. Ganz so ausdauernd wie die Xiaomi Watch 5 ist die Galaxy Watch Ultra 2 damit aber nicht.
Preis
Die Galaxy Watch Ultra 2 startet mit einer UVP von 749 Euro – ein stolzer Preis. Im Handel sind die Preise jedoch bereits gefallen, sodass die Smartwatch schon ab 544 Euro zu haben ist.
Fazit
Die Samsung Galaxy Watch Ultra 2 überzeugt mit einer Akkulaufzeit von drei Tagen – selbst bei aktiviertem Always-on-Display. Das Gehäuse ist robust, dabei aber schlanker als beim Vorgänger, und der Prozessor arbeitet spürbar flott. Neu hinzugekommen ist eine Tauch-Zertifizierung bis 40 Meter Tiefe. Wear OS sorgt für eine nahtlose Integration ins Android-Ökosystem, eine breite App-Auswahl und dank eSIM auch für den Betrieb unabhängig vom Smartphone.
Ein altbekanntes Manko bleibt jedoch bestehen: Gesundheitsfunktionen wie das 1-Kanal-EKG oder die Blutdruckmessung sind nach wie vor Samsung-Smartphones vorbehalten. Wer kein Samsung-Gerät nutzt, dem können wir die Uhr daher nur eingeschränkt empfehlen.
Für alle, die im Samsung-Ökosystem zu Hause sind und auf die App-Vielfalt von Wear OS nicht verzichten möchten, ist die Galaxy Watch Ultra 2 jedoch eine robuste Wahl mit überzeugender Ausdauer.





