microSD-Karten-Dauertest: 133 Petabyte fordern 177 Opfer


Welche microSD-Karte hält am längsten? Dieser Frage geht der Technikenthusiast Matt Cole seit drei Jahren mit einem stetig wachsenden Dauertest nach. Inzwischen umfasst das Experiment 351 Karten von 52 Marken, auf die zusammen mehr als 133 Petabyte geschrieben wurden.

Die Hälfte der Karten ist bereits ausgefallen

Cole hat das privat finanzierte Projekt im Juli 2023 begonnen. Zum dritten Jahrestag zieht er nun in einem ausführlichen Zwischenbericht Bilanz. Von den insgesamt 351 angeschafften Speicherkarten aus 111 Modellreihen wurden 177 bis zum Ausfall getestet. Weitere 107 befinden sich gegenwärtig im Test, während 67 noch auf einen freien Kartenleser warten.

Als ausgefallen gilt eine Karte nicht erst, wenn sie überhaupt nicht mehr reagiert. Cole beendet den Test auch dann, wenn sich ein Modell nur noch lesen lässt oder bei mindestens der Hälfte seiner Sektoren Fehler bei der Überprüfung auftreten. Insgesamt haben die Speicherkarten mehr als 4,6 Millionen Schreib-, Prüf- und Löschzyklen durchlaufen.

Für einen Durchgang beschreibt das Testprogramm zunächst den gesamten nutzbaren Speicher mit reproduzierbaren Pseudozufallsdaten. Anschließend werden die Daten wieder ausgelesen und verglichen. Auf diese Weise soll nicht nur der endgültige Defekt, sondern auch die schleichende Zunahme fehlerhafter Speicherbereiche erfasst werden. Zuvor prüft Cole außerdem, ob die angegebene Kapazität tatsächlich vorhanden ist. Unter den bisher untersuchten Karten befanden sich 35 Exemplare mit fehlerhaften Kapazitätsangaben.

„High Endurance“ ist nicht automatisch ausdauernder

Die bislang untersuchten gewöhnlichen Consumer-Modelle erreichten durchschnittlich rund 10.000 vollständige Zyklen. Besonders gut schnitten nach Coles Auswertung PNY, Kingston, Delkin Devices, Lexar und Samsung ab. Von zehn getesteten PNY-Karten ist bislang lediglich eine ausgefallen. Bei Kingston sind es drei von zwölf Exemplaren.

Eine Überraschung liefern vier Karten von Amazon Basics: Nach durchschnittlich 788 Testtagen und 16.600 Zyklen arbeitet noch jedes Exemplar. Cole nimmt die Handelsmarke dennoch nicht in seine eigentliche Bestenliste auf. Amazon könne jederzeit den Zulieferer und damit die eingesetzten Speicherchips wechseln, wodurch sich das Ergebnis nicht zuverlässig auf aktuell verkaufte Karten übertragen lasse.

Ausdrücklich auf Haltbarkeit ausgelegte „High Endurance“-Karten kamen im Mittel auf etwa 14.000 Zyklen und lagen damit rund 40 Prozent vor den gewöhnlichen Modellen. Bei SanDisk sind sechs von sieben getesteten Karten dieser Klasse ausgefallen. Auch bei den Consumer-Modellen der Marke liefen zum Zeitpunkt der Zwischenbilanz nur noch fünf von 28 Exemplaren. Deutlich länger hielten die allerdings wesentlich teureren Industriekarten durch: Sie erreichten im Durchschnitt bislang rund 122.000 Zyklen.

Ein großer Test, aber kein Laborvergleich

Die Resultate sind nicht mit einem kontrollierten Testlabor gleichzusetzen. Cole weist selbst darauf hin, dass verschiedene Rechner, Kartenleser, Ubuntu-Versionen und Entwicklungsstände seines Testprogramms zum Einsatz kamen. Zudem unterscheiden sich Anzahl, Kapazität, Laufzeit und Bezugsquelle der Karten teils erheblich. Kleine Stichproben wie die sieben High-Endurance-Modelle von SanDisk erlauben deshalb kein abschließendes Urteil über eine ganze Marke.

Gerade der fortlaufende Charakter macht direkte Ausfallquoten zusätzlich schwierig: Einige Karten werden bereits seit Jahren beschrieben, andere sind wesentlich später in den Test gestartet. Dennoch liefert das Projekt einen ungewöhnlich umfangreichen Einblick in die Haltbarkeit von microSD-Karten. Sämtliche bislang erhobenen Messwerte stellt Cole in einer öffentlichen Datenbank bereit.



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