Stripe glaubt, wir sind in der Singularität, und kann daher leider nicht an die Börse.
In einem Investorenbrief, den Axios einsehen konnte, erklärt der Zahlungsdienstleister, dass der 1. Januar den “Beginn der Singularität” markiert habe, einen “großen Wendepunkt bei langfristigen Trends”, etwa bei der Anzahl der Firmengründungen.
Niemand könne genau vorhersagen, wie KI die Welt verändern werde. Viele Prognosen kluger Köpfe hätten sich bereits als falsch erwiesen, Stripe wolle daher mit Demut an die Sache herangehen. Klar sei jedoch, dass die Veränderungen gewaltig seien.
Stripe sehe sich als privates Unternehmen besser aufgestellt, um Übernahmen und Investitionen zu finanzieren, ohne Anleger zu verwässern. Der Aktienkurs sei seit der Series D um 31 Prozent pro Jahr gestiegen, mehr als S&P 500 (14 Prozent) und Nasdaq (18 Prozent). Der Umsatz wuchs im ersten Halbjahr um 41 Prozent im Vergleich zum Vorjahr, der freie Cashflow um 43 Prozent. 88 Prozent der Forbes AI 50, darunter OpenAI und Anthropic, nutzen Stripe.
Ein KI-Modell-Router fürs Zeitalter der Singularität
Parallel bestätigte Stripe die Übernahme von OpenRouter für über 8 Milliarden Dollar. OpenRouter habe die weltweit größte und vertrauenswürdigste Token-Routing-Engine aufgebaut, die alle großen KI-Modelle und Anbieter unterstütze. Der Token-Verbrauch wachse um 9 Prozent pro Woche.
Künftig benötige jeder Entwickler neben einer Zahlungsinfrastruktur auch eine zuverlässige Möglichkeit, seine “Intelligenz-Pipeline” zu verwalten. Genau das liefere OpenRouter.
Singularität kommt in Mode
Kritisch betrachtet könnte man die “Singularität” als bequeme Begründung für Stripe sehen, vorerst nicht an die Börse zu gehen: Das Unternehmen profitiert von weniger Regulierung, keiner Pflicht zur Offenlegung von Finanzdaten und voller Gründerkontrolle. Probleme, Investoren anzuziehen, hat Stripe offenbar nicht.
Die Singularität auszurufen, kommt derzeit in Mode: Die technologische Singularität beschreibt die Idee, dass KI übermenschliche Intelligenz erreicht und einen unkontrollierbaren, sich selbst beschleunigenden Fortschritt auslöst. Das Konzept geht auf John von Neumann zurück, der bereits in den 1950er-Jahren von einem Wendepunkt sprach, an dem menschliche Angelegenheiten “nicht mehr weitergeführt werden können”.
Zuletzt sprach Demis Hassabis, Ex-Chef von Googles KI-Labor Deepmind, von den Anfängen der Singularität. Auch OpenAI-CEO Sam Altman und Elon Musk behaupteten kürzlich dasselbe. Altman sprach sogar schon letzten Sommer von einer “sanften Singularität”, die gestartet und nicht mehr umkehrbar sei. Beweisen könnten die KI-Chefs das, indem ihre KI-Systeme demnächst tatsächlich anfangen, sich schnell selbst zu verbessern. Dass diese Fähigkeit jetzt schon existiert, daran gibt es grundlegende Zweifel, aber auch erste Indizien, dass es nicht unmöglich ist.
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