Quantencomputer: AT&T löst Netzwerkproblem in 15 statt 3.600 Sekunden


Der US-Telekommunikationskonzern AT&T weitet die Zusammenarbeit mit D-Wave aus. Quantencomputer sollen künftig unter anderem bei Netzstörungen, Techniker-Routen und dem Ausbau helfen. Ein Pilotprojekt verkürzte eine Berechnung für die Lösung eines Problems laut den Unternehmen drastisch.

Quantencomputer für das Telekommunikationsnetz

AT&T will die Quantencomputer-Technik von D-Wave künftig für weitere Aufgaben in seinem Mobilfunk- und Glasfasernetz einsetzen. Eine entsprechende Vereinbarung haben die Unternehmen am Montag bekannt gegeben.

Mögliche Einsatzgebiete sind demnach die Erkennung und Bearbeitung von Netzstörungen, die Planung von Technikereinsätzen, der Ausbau neuer Infrastruktur sowie die Steuerung des Datenverkehrs. Bei solchen Aufgaben müssen zahlreiche Bedingungen und mögliche Lösungen gleichzeitig berücksichtigt werden.

Soll beispielsweise eine größere Zahl von Technikern auf verschiedene Störungen verteilt werden, spielen neben der Entfernung auch Qualifikation, verfügbare Ausrüstung, Priorität des Ausfalls und Arbeitszeiten eine Rolle. Mit zunehmender Zahl von Variablen steigt die Menge möglicher Kombinationen stark an.

Von einer Stunde auf weniger als 15 Sekunden

Als Beispiel nennen AT&T und D-Wave ein bereits durchgeführtes Projekt zur Netzwerkoptimierung. Eine zuvor etwa eine Stunde dauernde Berechnung sei mit einer Kombination aus D-Waves Technik und bestehenden Systemen von AT&T in weniger als 15 Sekunden abgeschlossen worden.

Die reine Rechenzeit hätte sich damit mindestens um den Faktor 240 verkürzt. Wie das untersuchte Problem genau aufgebaut war und welche klassische Hardware oder Software zuvor zum Einsatz kam, geht aus der Mitteilung allerdings nicht hervor.

Die Zahl belegt daher keinen allgemeinen Quantenvorteil gegenüber klassischen Computern. Sie zeigt zunächst lediglich, dass die von AT&T und D-Wave gewählte hybride Lösung bei dieser konkreten Aufgabe deutlich schneller als der zuvor eingesetzte Ansatz gewesen sein soll.

Kein universeller Quantencomputer

D-Wave setzt bei solchen Aufgaben auf sogenanntes Quantum Annealing. Die Systeme des Unternehmens sind keine frei programmierbaren Universal-Quantencomputer nach dem Modell, an dem beispielsweise IBM und Google arbeiten.

Quanten-Annealer sind stattdessen auf Optimierungsprobleme spezialisiert. Vereinfacht gesagt sollen sie aus einer sehr großen Zahl möglicher Kombinationen eine besonders günstige Lösung finden. Dazu gehören etwa Routenplanungen, Zeitpläne, die Verteilung von Ressourcen oder die Optimierung von Netzwerken.

In der Praxis arbeitet der Quantencomputer dabei nicht allein. Klassische Rechner bereiten die Daten auf, zerlegen große Aufgaben und verarbeiten die Ergebnisse weiter. D-Wave bezeichnet solche Kombinationen als hybride Quantenanwendungen.

Vom Pilotprojekt zum laufenden Einsatz

Mit der erweiterten Zusammenarbeit will AT&T die Technik nun stärker in seine betrieblichen Abläufe integrieren. Die Unternehmen nennen neben der Optimierung bestehender Netze auch die Planung des weiteren Glasfaser- und Mobilfunkausbaus.

Ob sich die deutliche Beschleunigung aus dem Pilotprojekt auf weitere Aufgaben übertragen lässt, bleibt abzuwarten. Gerade bei Quantencomputern hängen Ergebnisse stark von der Struktur des jeweiligen Problems und der Qualität des klassischen Vergleichsverfahrens ab.

Für D-Wave ist die Vereinbarung dennoch ein wichtiges Beispiel für einen praktischen Einsatz außerhalb von Forschungseinrichtungen. AT&T wiederum erhofft sich schnellere Entscheidungen in einem Netz, in dem täglich große Mengen an Störungen, Routen, Kapazitäten und Ausbauoptionen koordiniert werden müssen.



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