Ausbildung im Elektrohandwerk: Weniger Bürokratie nötig


Marcel Diehl, Redakteur »de«

Marcel Diehl, Redakteur »de«

Der Fachkräftemangel im Elektrohandwerk ist längst keine abstrakte Zukunftsprognose mehr. Umso wichtiger sind Ausbildungswege, die auch seltenere Berufe wie den Elektroniker für Maschinen- und Antriebstechnik erhalten. Doch gerade dort, wo engagierte Lehrer und Betriebe mit viel Einsatz den Nachwuchs fördern, geraten junge Menschen häufig an Hürden, die mit Ausbildung eigentlich wenig zu tun haben.

Ein Beispiel ist die Max-Eyth-Schule in Kirchheim unter Teck (MESK). Sie ist die zentrale Berufsschule für diesen Ausbildungsberuf in Baden-Württemberg. Die fachliche Qualität der Ausbildung steht außer Frage. Im Gegenteil: Schule, Lehrkräfte und Industriepartner investieren viel Zeit und Herzblut, um wertvolles Wissen über Elektromaschinen und Antriebstechnik an die nächste Generation weiterzugeben.

Die eigentliche Herausforderung beginnt oft schon vor dem Unterricht. Wer für den Blockunterricht aus entfernten Regionen anreist, muss Unterkünfte organisieren, Fahrten planen und Förderanträge stellen. Genau hier zeigt sich ein Problem, das nicht nur die MESK betrifft. Viele Verfahren wirken unnötig kompliziert, sind teilweise noch nicht konsequent digitalisiert und verursachen erheblichen bürokratischen Aufwand. Zuschüsse für Unterkunft oder Fahrtkosten müssen beantragt werden, die Bearbeitung dauert häufig lange und die Auszubildenden müssen Ausgaben zunächst aus eigener Tasche vorstrecken. Besonders schwer nachvollziehbar wird dies, wenn identische Angaben immer wieder neu eingereicht werden müssen. Für manche Auszubildende bedeutet das, denselben Wohngeldantrag während ihrer Ausbildungszeit bis zu achtmal auszufüllen! Wer Fachkräfte gewinnen möchte, sollte ihnen frühzeitig vermitteln, dass ihr Engagement gefragt ist – und nicht ihre Leidensfähigkeit.

Natürlich könnte man argumentieren, dass dies zum Erwachsenwerden dazugehört. Doch die entscheidende Frage lautet: Warum sollte sich ein junger Mensch diese zusätzlichen Belastungen antun, wenn er oder sie einen Ausbildungsplatz mit Berufsschule direkt vor der Haustür finden kann?

Genau darin liegt die Krux. Politik, Verbände und Wirtschaft suchen nach Wegen, mehr junge Menschen für technische Berufe zu gewinnen. Gleichzeitig erschweren wir ihnen den Einstieg durch unnötige Hürden. Wer Fachkräfte sucht, sollte ihnen keine Hindernisläufe organisieren.

Besonders problematisch ist dies bei Berufen mit wenigen Auszubildenden. Dort sind zentrale Landesfachschulen oft alternativlos. Schrecken jedoch Bürokratie, Antragswege oder die Suche nach einer bezahlbaren Unterkunft ab, verliert die Branche potenzielle Nachwuchskräfte, noch bevor diese ihr Können unter Beweis stellen konnten.

Das Ziel ist klar: Junge Menschen sollen ihre Energie in Lernen, Technik und Praxis investieren, nicht in Formulare und Behördengänge. Wer es mit der Fachkräftesicherung ernst meint, muss deshalb auch die Rahmenbedingungen verbessern. Denn manchmal entscheidet nicht der Beruf selbst, sondern der Weg dorthin darüber, ob am Ende genügend Fachkräfte zur Verfügung stehen.



Source link

Leave a Comment