Mindestens 130.000 Kameras sind an den Rändern US-amerikanischer Straßen angebracht und registrieren dort monatlich rund 20 Milliarden Kennzeichen vorbeifahrender Autos. Die sogenannten Automated License Plate Readers (ALPR) sammeln, speichern und werten die Daten aus. Oft kommt dabei KI zum Einsatz.
Überwachung: Stimmung in den USA kippt
Nutzer:innen dieser Kennzeichenerfassungssysteme sind vor allem Polizeidienststellen, die entsprechende Daten landesweit abfragen können – in der Regel ohne richterliche Genehmigung, wie Spiegel Online schreibt. Waren bisher vor allem Datenschützer:innen und Bürgerrechtsaktivist:innen angesichts der anlasslosen Massendatensammlung alarmiert, hat sich die Stimmung mittlerweile gedreht.
Denn Polizei- und Sicherheitsbeamt:innen sollen die ALPR-Systeme missbräuchlich verwendet haben. Laut Washington Post sind in mindestens 50 Fällen Ermittlungen oder Verfahren eingeleitet worden. Meist ging es dabei darum, aktuelle oder ehemalige Partner:innen auszuspionieren.
Missbrauch von Überwachungsdaten
Aber die Beamt:innen sollen damit auch für Nachforschungen mit politischem Hintergrund durchgeführt haben. So sollen Analysen der Bürgerrechtsorganisation Electronic Frontier Foundation (EFF) allein 2025 Hunderte Suchanfragen im Zusammenhang mit gegen US-Präsident Donald Trump gerichteten Demonstrationen gestellt worden sein.
Dem EFF-Analysten Matthew Guariglia seien automatische Kennzeichenerfassungssysteme Einfallstore für ein Überwachungsnetzwerk. „Die Kameras werden nicht nur zur Verbrechensbekämpfung genutzt, sondern auch dafür, Menschen nachzuspüren, die sich vollkommen rechtmäßig verhalten“, so Guariglia gegenüber dem Spiegel. Entsprechend maskieren sich manche Teilnehmer:innen von Demonstrationen oder lassen ihre Smartphones zu Hause, damit man sie nicht identifizieren kann.
Die Stimmung ist allerdings landesweit gekippt, wie aus zwei von Spiegel Online zitierten Yougov-Umfragen hervorgeht. Demnach waren im August 2026 rund 46 Prozent der Befragten gegen den Einsatz solcher Überwachungskameras in ihrer Umgebung. Ein Jahr zuvor bezeichneten sich nur 33 Prozent der Befragten als Gegner:innen der Technologie.
Branchenprimus Flock Safety im Fokus
Im Mittelpunkt der Überwachungsgegner:innen steht der Branchenprimus Flock Safety. Dessen Kameras sollen in mindestens 36 der 50 US-Bundesstaaten attackiert worden sein. Die Angreifer:innen gehen dabei mit Spraydosen oder Stickern gegen die Kameras vor oder sägen sie gleich ab. Manchmal kommt Käse zum Einsatz, der – auf die Solarmodule der Apparate geschmiert – dafür sorgt, dass die Kameras keinen Strom mehr haben.
Ein besonders krasser Angriff hat sich im US-Bundesstaat Tennessee abgespielt. Dort soll ein 37-jähriger Kongresskandidat gleich vier Kameras mit einer Schrotflinte beschossen haben. Der Politiker hat mittlerweile gestanden. Wie die Stimmung im Land in diesem Zusammenhang derzeit ist, zeigt aber die Unterstützung. Rund 400 Menschen sollen mehr als 14.000 US-Dollar für die Anwaltskosten des Kamera-Attackierers gespendet haben, wie military.com berichtet.





