Das Pew Research Center hat fast eine halbe Million englischsprachige Webseiten auf KI-generierte Inhalte untersucht. Seit dem Start von ChatGPT steigt der Anteil maschinell verfasster Texte im Netz rasant an.
Die Texte stammen aus dem Common-Crawl-Webarchiv und wurden mit dem KI-Erkennungstool Open Pangram auf Anzeichen maschineller Autorschaft überprüft. In einer Stichprobe vom Juli 2026 zeigen rund 10 Prozent aller untersuchten Webseiten deutliche Spuren von KI-Autorschaft.
Filtert man die Stichprobe auf Webseiten, die erst nach dem Release von ChatGPT veröffentlicht wurden, ändert sich das Bild: Mehr als ein Drittel dieser neueren Seiten weist laut der Analyse Anzeichen von KI-Autorschaft auf. Der Trend startete mit ChatGPT Ende 2022, seitdem steigt der Anteil mutmaßlich KI-generierter Webinhalte kontinuierlich an.

Etwa jede zehnte Seite mit einer .com-Domain weist Anzeichen von KI-Autorschaft auf. Bei .org-Domains liegt der Anteil bei 4,6 Prozent, bei .edu- und .gov-Domains jeweils bei nur rund einem Prozent. Kommerzielle Webseiten sind damit zehnmal stärker betroffen als Seiten von Bildungseinrichtungen oder Behörden.

“Delve”, Gedankenstriche und Oxford-Kommas haben Hochkonjunktur
Die Pew-Analyse identifiziert mehrere sprachliche Merkmale, die seit 2023 deutlich häufiger im Netz auftauchen. So kommen Gedankenstriche (em dashes) inzwischen etwa doppelt so häufig vor wie noch 2023, und auch Oxford-Kommas verzeichnen einen Anstieg von 63 Prozent.

Bestimmte KI-typische Vokabeln wie “delve”, “interplay”, “testament”, “pivotal”, “landscape”, “tapestry”, “bolstered”, “crucial”, “meticulous” oder “vibrant” haben sich in ihrer Häufigkeit mehr als verdoppelt. Negative Parallelismen nach dem Schema “it’s not just X, it’s Y” haben sich sogar fast verdreifacht, bleiben in absoluten Zahlen aber insgesamt selten. Eine andere Studie, die speziell PR‑Dokumente von Unternehmen untersuchte, fand sogar eine Vervierfachung dieser Floskel seit 2022.
Eine Studie des Imperial College London, des Internet Archive und der Stanford University aus dem April 2026 war zu einem ähnlichen Ergebnis gekommen: Rund 35 Prozent aller neu veröffentlichten Websites waren demnach ganz oder teilweise KI‑generiert. Die Forscher fanden darüber hinaus eine um 33 Prozent höhere semantische Ähnlichkeit zwischen KI-Texten sowie eine deutlich positivere Tonalität, warnten aber auch davor, dass die öffentliche Wahrnehmung negativer Auswirkungen teils deutlich über das hinausgeht, was sich empirisch belegen lässt.
Was ist ein KI-Text?
Eine grundsätzliche Unschärfe dieser und ähnlicher Studien, und in der öffentlichen Debatte generell, liegt in der Frage, was einen “KI-Text” überhaupt ausmacht. Das Spektrum reicht von vollständig automatisiert erstellten Texten über menschliche Entwürfe mit KI-gestützter Überarbeitung bis zu Texten, bei denen KI lediglich bei der Formulierung einzelner Passagen assistiert hat.
Erkennungsmodelle wie Open Pangram unterscheiden nicht oder nur sehr ungenau zwischen diesen Arbeitsweisen. Sie erkennen lediglich grob, ob ein Text tendenziell eher von einem Menschen allein verfasst oder eher mit oder von KI geschrieben wurde, und auch hierbei machen sie noch Fehler. Dabei sind es grundlegend verschiedene Arbeitsweisen.
Die öffentliche Debatte über KI-Texte tendiert derweil zunehmend zur Polarisierung, wie zuletzt die Diskussion um Anthropics angekündigtes Wasserzeichen für Claude-Texte gezeigt hat. Die Nutzung von KI-Werkzeugen führt teils bereits zu einer Stigmatisierung in beiden Richtungen, die auch in Studien zum Arbeitsumfeld dokumentiert wurde.
Zwischen pauschaler Ablehnung und unkritischer Übernahme wird sich ein differenzierterer Umgang finden müssen, denn die Wahrscheinlichkeit, dass in Zukunft wieder weniger KI genutzt werden wird, ist eher gering.
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