Das Werk des Automobilzulieferers Bosch im baden-württembergischen Bühl blickt auf eine von Sparmaßnahmen geprägte Vergangenheit zurück. Seit Jahren baut der krisengeschüttelte Konzern am Standort südwestlich von Baden-Baden Arbeitsplätze ab. Die derzeit rund 2700 Beschäftigten fertigen bislang vorrangig Komponenten wie Kleinstmotoren oder Bauteile für Autofensterheber. Der anhaltende Transformationsdruck zwingt das Management aber zum Handeln, weshalb bis 2030 etwa 1100 weitere Stellen gestrichen werden sollen.
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Doch mitten in dieser schwierigen Umstrukturierung zeichnet sich eine neue Richtung ab: Ab nächsten Sommer will der Konzern im Werk Bühl als weltweit erster Standort mit der industriellen Fertigung einer Zukunftstechnik mit hohem Potenzial beginnen: Der Zulieferer plant in Kooperation mit dem britischen Startup Humanoid die Serienproduktion von KI-gesteuerten humanoidem Robotern, schreibt die Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung (FAS).
Menschenähnliche Roboter gelten als Motor der nächsten Automatisierungsstufe. Neben dem Einsatz in Produktion und Logistik sollen entsprechende Systeme langfristig auch Aufgaben in der Pflege und im Haushalt übernehmen. Wie groß das Interesse an damit verknüpfter physischer KI ist, zeigte gerade der Börsengang des chinesischen Anbieters Unitree in Schanghai.
Bosch stieg zwar verhältnismäßig spät in den Zukunftsmarkt ein, schloss dafür jedoch strategische Allianzen. Die Partnerschaft mit dem Londoner Startup Humanoid nimmt nun konkrete Gestalt an: Im August 2027 soll in Bühl laut der FAS die Serienfertigung der neuen Robotergeneration namens Gamma starten. Vorab hätten Prototypen aus der Reihe HMND-01 Praxisprüfungen im Werk Bühl absolviert, wo sie gesteuert vom KI-Framework KinetIQ eigenständig Kartons in der Werklogistik bewegten.
Auftragsfertigung und weltweiter Wettbewerb
Nach den Tests soll Bosch für Humanoid die Fertigung der Roboter übernehmen. Ferner prüfe der Technologiekonzern, künftig auch eigene Komponenten wie Antriebe, Motoren und Sensoren zuzuliefern, weiß die Zeitung. Humanoid wolle die Maschinen nicht verkaufen, sondern an Kunden vermieten gemäß dem neuen Geschäftsmodell „Robotics as a Service“. Als erster Abnehmer stehe der fränkische Autozulieferer Schaeffler fest, der wie Bosch als Investor bei dem 2024 in London gegründeten Startup beteiligt ist.
Die Stückzahlen für Bühl sind zunächst überschaubar: Für 2027 ist die Produktion von einigen Hundert Einheiten vorgesehen, wofür vorerst eine zweistellige Zahl an Mitarbeitern beschäftigt werden soll. Der Standort verfügt Humanoid zufolge aber über Kapazitäten für deutliche Steigerungen in der Zukunft.
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Die internationale Konkurrenz ist gewaltig: Chinesische Anbieter wie Unitree, AgiBot oder XPeng gelten derzeit als führend und profitieren von staatlicher Förderung. Auch US-Akteure wie Tesla arbeiten an menschenähnlichen Robotern, kämpfen jedoch mit technischen Verzögerungen. In Deutschland versuchen sich neben Bosch auch Newcomer wie Neura Robotics oder Agile Robots zu etablieren. BMW testet erste Modelle. Laut einer Studie des Fraunhofer-Institut für Produktionstechnik und Automatisierung (IPA) und des Beratungshauses P3 liegt der Großteil der Wertschöpfung in der hochkomplexen Mechanik und Elektronik. Für kriselnde Zulieferer biete die Roboterhardware daher prinzipiell eine vielversprechende neue Perspektive.
(nie)





